Konzertiert

Der Ohrwurm stammt noch vom letzten Song und begrüßte mich munter, als ich heute Morgen ein Auge öffnete. Vor dem Schlafzimmerfenster stand die Sonne schon fast senkrecht am blauen Himmel. Aber nicht der Wurm war es, der meinen Träumereien ein Ende setzte, sondern das Handy von meinem Engel. Es ist Pfingstsonntag, wer muss da wohl arbeiten?!
Während Engelchen mit müden Knochen unter der Dusche steht, springe ich aus dem Bett, schlüpfe in meine Klamotten und jogge zum Kiosk gegenüber, um den Frühstückstisch mit ein paar Brötchen aufzupeppen. Obwohl der Vormittag schon fast vorüber ist, sehen wir beide noch ziemlich müde aus…

Ziemlich zu spät verließen wir gestern gegen 16:20 Uhr das Haus. Nur mit dem Nötigsten ausgestattet schwangen wir uns in den blauen Wagen (der seit dieser Woche endlich wieder seine Sommerreifen fahren darf) und fuhren über die A1 nach Hamburg. Gegen zwanzig nach fünf trudelten wir bei U. und W. ein und wurden stürmisch begrüßt! Wieder einmal war eine halbe Ewigkeit von fast einem Vierteljahr vergangen, seit wir uns zuletzt gesehen hatten. H. war auch schon da. Er ist ein langjähriger Freund von W., den ich aus zahlreichen Erzählungen schon „kannte“. Viel Zeit blieb uns zunächst leider nicht, denn eine gute halbe Stunde später mussten wir schon die U-Bahn erwischen. Zur Feier des Abends stießen wir mit perlendem Asti an, stärkten uns mit Schnittchen, Salat und Hackbällchen und machten uns dann auf die Socken zur Bahn.

An der Zielhaltestelle Lattenkamp stieß noch jemand zu uns, dessen Namen ich aber schon wieder vergessen habe. Zu sechst marschierten wir zur Alsterdorfer Sporthalle, wo sich noch sechs weitere Leutchen zu uns gesellten. So lernte ich Us Mädels, die wir vor Monaten mal zufällig in einem bonbonfarbenen Hamburger Kaffeehaus trafen, gleich nochmal kennen.

Wir gaben unsere Jacken an der Garderobe ab und betraten kurz darauf die Halle. Die Ränge füllten sich links und rechts von uns, während U. und ich schon aus Erfahrung wussten, dass man bei Silbermond sowieso nicht sitzen bleibt. Wir standen also zu zwölft mit weiteren hunderten und tausenden von Leuten ziemlich in der Mitte. Es war schon jetzt ziemlich warm, so dass ich bei einem der laufenden Bierhändler ein kühles Blondes kaufte, das ich mit U. und meinem Hasen teilte. Mehr durfte ich leider nicht, weil ich ja nach dem Konzert wieder zurückfahren musste.

Die Vorgruppe spielte fetzigen Rock, konnte wegen mieser Soundqualität aber kaum überzeugen. Wir haben nicht einmal den Bandnamen verstanden… Die Wartezeit bis zum Auftritt der vier Bautzener Symphoniker schien dann auch endlos, und während U. und ich schon bei der Vorband unsere Sprungkraft getestet hatten schien sich die Menge schon wieder abzukühlen. Als es dann endlich losging, dauerte es eine kleine Weile, bis die Band wieder Bewegung in die Halle brachte. Dann aber gab es kein Halten mehr! Die Soundqualität war wesentlich besser als bei der Vorband! Die Temperatur stieg und stieg und ich krempelte meine langen Hosenbeine bis über die Knie.

Die Bühnenshow war wieder grandios, wenn auch nicht unbedingt anders als vor vier Jahren. Aber wieso sollte man ein funktionierendes Konzept auch ändern? A propos vor vier Jahren: ich erinnere mich deutlich, dass U. und ich damals in Pahlen zu den Ältesten gehörten, als um uns herum fast nur Teenies ins Pahlazzo strömten. Das war diesmal anders! Teenies waren gestern Abend kaum welche dabei, das Publikum war in etwa durchgängig so alt wie wir.

Silbermond

Kurz vor Mitternacht klangen die letzten Takte aus den Gitarren und aus dem Klavier, die Menge tobte vor Begeisterung – das Konzert war ein voller Erfolg! Ich für meinen Teil war wieder einmal vollkommen hingerissen.

Mit eckigen Füßen und kratziger Kehle lief unsere Gruppe nach dem Konzert Arm in Arm zur U-Bahn zurück, wo wir uns allmählich verstreuten. Mit U., W. und H. fuhren Engelchen und ich zurück, schnackten ne Runde bei Salat und Hackbällchen, bis wir zwei gegen ein Uhr über die Autobahn zurück in die Marzipanstadt fuhren…

 

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