Kirschblüten

Die eigentliche Kirschblüte ist längst vorbei. Warum die Japaner in Hamburg dennoch erst Ende Mai das alljährliche Kirschblütenfest veranstalten, weiß ich nicht. Ist mir aber auch egal, denn schön ist es allemal!

Vorgestern klingelte zu Hause das Telefon und U. war dran. Große Wiederhörensfreude beiderseits und gleich eine Verabredung für das Wochenende. Da wir vor zwei Jahren schon einmal das Kirschblütenfest in Hamburg besucht haben, einigten wir uns auf eine Wiederholung in diesem Jahr – diesmal allerdings mit unseren Männern an der Hand.

Freitagabend. Mir tun die Finger der rechten Hand weh, denn gestern war ich mit meinem Büro beim Bowling. Dafür, dass ich das noch nie gemacht habe (die Wii zählt nicht), habe ich mich ganz gut geschlagen. Der heutige Feierabend kommt dank des Freitages früher als sonst, ist aber mindestens genau so heiß! Als ich mein Bike zu Hause in den Keller schließe, bin ich schon durchnässt. Engelchen kommt knapp drei Stunden nach mir von der Arbeit und ist ebenfalls klatschnass, denn er stand ewig im Stau und hat sich nicht getraut, die Klimaanlage einzuschalten. Die Lungenschmerzen sind eben noch nicht ganz weg. Und so beladen wir kurz darauf den neuen Wagen und machen uns auf die Reise nach Hamburg. Vorsichtig halte ich die Temperatur auf erträglichem Niveau, ohne uns gleich zu erkälten.

Obwohl der letzte Besuch bei den beiden schon Monate her ist, finden wir den Weg auf Anhieb. Wie immer bekommen wir einen Parkplatz direkt vor dem Haus (das hätte ich zu Hause auch gern…) und schon liegen wir uns in den Armen! U. hat an alles gedacht und so ist das Abendessen schon so gut wie fertig, als wir uns im Wohnzimmer auf die weiße Couch setzen. Wir sind alle so hungrig, dass es ganz still ist, während wir die Tortellini in uns hineinschaufeln!

Bald darauf müssen wir uns auch schon beeilen, denn um halb elf beginnt das große Alsterfeuerwerk. Wir laufen zur Bahnstation und müssen sieben Minuten warten. Dann geht’s los, aber die Zeit wird knapp. Als wir in der Uhlandstraße den Zug wieder verlassen und der Menschenmenge hinterherlaufen hören wir es schon krachen und hinter der nächsten Ecke sehen wir schon das Feuerwerk. Wir sind zu spät. Es macht jetzt keinen Sinn mehr, weiterzugehen, denn an der Alster ist alles voll. So bleiben wir an der Straße stehen und freuen uns, dass wir eine gute Sicht auf den brennenden Himmel haben.

Als der Schlussakkord am Himmel explodiert setzt sich die riesengroße Menschenmenge in Bewegung, die gerade noch auf den Wiesen am Wasser „aahh“ und „oohh“ gerufen hat. Tausende Leute stehen jetzt an den Ampeln – und wir auf der anderen Seite. Als es grün wird laufen wir mutig gegen den Strom, fassen uns bei den Händen, um nicht auseinandergerissen zu werden und erreichen bald das Alsterufer. Die Wiesen sind immer noch voll. Hier und da glimmt noch ein wenig Kohle im Grill, dort wird eine Liegedecke von kleinen Fackeln erleuchtet und vor uns auf der Alster fahren die kleinen Boote mit den Lampions langsam wieder auf die Ufer zu. Der Himmel ist sternenklar und auf der anderen Seite leuchtet der Jungfernstieg. Dorthin wollen wir jetzt. Wir laufen die Promenade entlang. Links von uns ist eine ganze Etage bunt erleuchtet und Menschen in Abendgarderobe und Cocktails genießen die Sommernacht.

Bis zum Jungfernstieg waren wir eine ganze Weile unterwegs. Bei immer noch 22 Grad gehen wir rüber zum Rathaus. Hier läuft gerade ein Film auf der großen Freiluft-Leinwand. Wir schnappen uns ein Crêpe und setzen uns an den Fleet gegenüber den Alsterarcaden und gönnen unseren Füßen etwas Ruhe, ehe wir bald wieder mit der Bahn zurück fahren. Wir haben unser Reisebett dabei und bald schon schlummern Engelchen und ich im Wohnzimmer…

Das Kirschblütenfest…

 

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