KEANE-Konzert

Die Tickets hatten wir uns bereits im Juli gesichert, gestern war es dann endlich so weit: KEANE gaben ein Konzert im Hamburger Docks. Als Konzert-Noob fand ich das alles schon im Vorwege ganz schön aufregend. Ich war bislang noch nie im Docks, das mitten auf der Reeperbahn liegt, hatte aber gehört, dass es nicht allzu groß sein soll. Dass das stimmt, davon konnte ich mich gestern Abend live überzeugen…

Am späten Nachmittag warfen mein Freund und ich uns in Schale, die gleichzeitig einigermaßen nach etwas aussehen und funktionell sein musste. Da darf nicht viel dran sein, so dass man bei steigenden Temperaturen schnell mal etwas ausziehen kann, ohne sich gleich wieder bis zur Garderobe durchkämpfen zu müssen. Taschen und sonstiger Klimbim sind im Gedränge vor der Bühne auch unpraktisch. Nach ein paar Mal an- und ausziehen waren wir schließlich zufrieden und verabschiedeten uns von den Katern, die sich sicher darauf freuten, wieder ihre Ruhe zu haben.

Der Weg über die Autobahn nach Hamburg war so unbeschwert, wie lange nicht mehr. Sämtliche Baustellen, die den Verkehr über viele Monate gehemmt hatten, sind verschwunden. Manche Schilder scheinen dort allerdings vergessen worden zu sein, denn warum sonst sollte man auf einer nagelneuen dreispurigen Autobahn nicht schneller als achtzig fahren dürfen? Sei’s drum, wir kamen unbehelligt in der großen Hansestadt an, parkten den blauen Wagen und stiegen in die S-Bahn um, die uns flugs zum Jungfernstieg brachte. Ganz kurz nur wollte mein Freund nämlich in den Apple-Store springen um sich – und auch das nur vielleicht – das iPad-mini zu kaufen. Wir stiegen also die gläsernen Stufen hinauf und sprachen eine muntere Verkäuferin in blauem Shirt an. Sie schickte uns freudestrahlend ins Erdgeschoss zurück und schürte die Hoffnung meines Freundes, dass noch Geräte verfügbar seien. Zurück im Erdgeschoss gelang es nur mit Verzögerung, einen nicht ganz so sympathischen Store-Angestellten zu erwischen. Als der uns mitteilte, dass alle Minis für heute ausverkauft wären, sank er in der Gunst meines Freundes noch ein gutes Stückchen weiter…

Nur kurze Zeit später verließen wir die nächste S-Bahn an der Reeperbahn. Hamburgs sündige Meile erstrahlte angesichts fortschreitender Uhrzeit bereits in diversen Rottönen, während die Trottoirs von unzähligen Menschen auf der Suche nach multiplen Möglichkeiten des abendlichen Entertainments bevölkert waren. Das Docks liegt nur wenige Schritte von der Davidwache und Schmidt’s Theater entfernt und ist im Vergleich mit diesen beiden Etablissements äußerlich eher unscheinbar. Brav reihten wir uns in die Warteschlange ein, die uns zum Glück nicht allzu lange aufhielt. Am Eingang wurden wir scheinbar gründlich abgetastet und sogleich hineingelassen. Da die meisten nach links zu den Örtlichkeiten und der Garderobe abbogen, nutzten wir die Gunst der Stunde, die Location zu unserer Rechten direkt zu betreten, um Stehplätze so weit vorne wie möglich zu ergattern. Als wir in den Saal traten, wurde uns klar, dass „ganz vorne“ sich nicht wesentlich von „ganz hinten“ unterschied. Das Konzert versprach also, eher familiär zu werden. Ganz vorn befand sich natürlich die Bühne, auf der in blauem Licht schon allerlei Instrumentarien standen. Auf der linken Seite fand sich eine hübsche kleine Bar. Die Decke zierte ein farbenfrohes Oberlicht, durch das am spätherbstlichen Abend natürlich kein Licht mehr fiel. Hinter uns, über dem Aus- bzw. Eingang konnten wir die Galerie ausmachen, auf der schon ein paar Konzertbesucher Stellung bezogen hatten, um dem Geschehen von oben beizuwohnen.

Nach einer Stunde, in der Zeit war, den Einlass, die Garderobe und alles Weitere zu regeln, trat die Vorband auf, deren Namen „Zulu Winter“ wir erst viel später erfuhren. Ich fand sie gar nicht schlecht, wenngleich die Sound-Qualität ziemlich übel war. Der Lead-Sänger war mir allerdings ziemlich unsympathisch und wedelte die meiste Zeit affektiert mit seinen Händen herum, sein Bandkollege am zweiten Mikro war da schon eher was für’s Auge (beim Konzert geht es ja schließlich nicht nur um die Ohren). Zulu Winter heizten so in etwa eine halbe Stunde lang ein und legten an die darauffolgende Vorbereitung für KEANE eifrig selbst Hand an. Als alles für die Band aus England vorbereitet war,  konnte die Show also endlich richtig losgehen. Die Temperatur war inzwischen um einige Grad nach oben geklettert.

Zulu Winter – die Vorgruppe

Frontmann Tom Chaplin eröffnete die Show kraftvoll, mit sicherer Stimme und in gleißendem Bühnenlicht. Da wir recht weit vorn standen, befanden wir uns quasi mitten zwischen den Hardcore-Fans, von denen einige anscheinend aus England angereist waren, um ihren Idolen so nah zu sein. Entsprechend euphorisch war die Stimmung. Da ich – wie ich ein wenig beschämt gestehen muss – die Songtexte nicht kannte, blieb den Umstehenden ein lautstarker Gesang meinerseits erspart (was man von meinem Freund nicht behaupten kann). Obwohl ich mich bei KEANE überhaupt nicht auskenne, kamen mir immerhin eine ganze Reihe von Stücken schließlich doch sehr bekannt vor, immerhin gibt es die Band seit 1997. Es dauerte ein wenig, bis mich die Stimmung ergreifen und mitreißen konnte. Einige Leute waren doch sehr seltsam, überaus egoistisch und nicht selten mit ausgefahrenen Ellenbogen unterwegs, um sich noch weiter vorzuwühlen. Eine handvoll Jugendlicher ging dabei besonders rabiat vor, was dazu führte, dass sie während des zweiten Songs von den Sicherheitskräften beherzt herausgezogen und vor die Tür gesetzt wurden. Danach wurde das Gerangel ein wenig entspannter und das Konzert letztlich zu einem echten Vergnügen. Dass selbst die Band Spaß hatte, war den Jungs deutlich anzusehen und am Ende gaben sie unter anhaltendem Applaus drei oder vier Zugaben.

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Mit rauschenden Ohren, glücklich, erschöpft und ziemlich hungrig reihten wir uns wieder einmal in eine lange Schlange ein, um unsere Garderobenmarke gegen zwei Jacken einzutauschen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einer Burger-Bar ließen wir uns von der S-Bahn wieder zu unserem Auto fahren, das in strömendem Regen in einer Seitenstraße auf uns wartete.

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