Kastraten

Sonntag. Es ist acht Uhr und die beiden Kater bekommen jetzt ihre letzte Mahlzeit vor der nüchternen 24-Stunden-Phase, welche die Kastration am folgenden Tag einleitet. Ich schlage die Augen auf. Vor den weißen Stoffrollos hat sich bereits Tageslicht ausgebreitet – und es scheint mir in den Kopf zu stechen, direkt oberhalb des rechten Auges… Es schmerzt ziemlich! Ich stehe also auf, um die verwunderten Kater zu füttern, als plötzlich auch noch mein Magen rebelliert. Na toll, denke ich, lasse die beiden Racker an ihren gefüllten Futternäpfen sitzen und lege mich wieder neben meinen Engel ins warme Bett.

Eine Stunde später – die Kater liegen schlafend in ihren eigenen Bettchen – schlage ich erneut die Augen auf, und mein Kopf scheint zu zerbersten! Auch mein Magen macht sich unangenehm bemerkbar. Verdammt, heute sollte lieber Besuch aus Hamburg kommen. Ich ringe mit mir, ob ich absage oder nicht. Aber die Vorstellung, so netten Besuch nach so langer Zeit mit diesen Kopfschmerzen zu empfangen ist eine schlimmere Vorstellung als die SMS, die ich kurz darauf schreibe und das Treffen absage. Engelchen neben mir ahnt noch nichts und schlummert friedlich, als ich erneut aufstehe und von Katern verfolgt in die Küche schlurfe. Vor ihren erstaunten Augen stelle ich die Futternäpfe in den Schrank, lasse sie dann perplex zurück und ziehe meine Bettdecke wieder ganz weit nach oben.

Mit fortschreitendem Tag werden die Kopfschmerzen ein wenig besser und bald kann ich auch schon wieder etwas essen. Wir hatten heute Abend eigentlich etwas aus dem Wok zaubern wollen, und weil die Zutaten schon aufgetaut sind stellen wir den Herd an. Dann die Überraschung, als ich die Packungen mit dem Hühnerbrustfilet öffne: in der einen war die Plastikverpackung offen und ein Filet klebte unappetitlich an der Pappschachtel! Igitt! Ich bin da sehr empfindlich – besonders mit geschundenem Magen – und so befördere ich die ganze Packung in den Müll. Nun bleibt also nur eine Packung übrig. Zum Glück habe ich den Besuch absagen müssen, sonst hätten wir zu wenig Essen für alle drei gehabt!

Mein Engel wurde abends langsam nervös. Die Kastration unserer beiden Katerchen am Montagmorgen würde ein einschneidendes Erlebnis werden. Die beiden Kleinen waren lediglich verwundert, dass wir die Futternäpfe seit dem Morgen noch nicht wieder aus dem Schrank geholt haben…

Gegen vier Uhr heute früh beschäftigten sich die Kater mit allem möglichen. Mit Rolloschnüren, mit Spielzeug, mit sich selbst – nur um das Loch, das sie in ihren Mägen zu spüren glaubten, mit irgendeiner Ablenkung zu stopfen. Dass sie mich damit mehrfach aus dem warmen Bett scheuchten, spielte für sie eine untergeordnete Rolle. Als ich dann später sowieso aufstehen musste war mein Engel auch schon wach. Nicht mehr lange und er würde sich mit den beiden auf den Weg machen…

Inzwischen ist der Abend angebrochen, die beiden Kastrierten waren den ganzen Nachmittag hindurch taumelig und schläfrig, während die Narkose nur langsam verflog. Wir mussten arg aufpassen, damit sie nicht auf irgendwelche Möbel kletterten, von denen sie herunterstürzen konnten. Sie wirkten so hilflos und tolpatschig, plumpsten nach jedem dritten Schritt um und versuchten zu ergründen, wieso es hintenrum plötzlich so luftig ist. Jetzt erholen sie sich langsam. Während der Weiße schon wieder recht fit aussieht, braucht Neelix etwas länger.

Morgen ist dann hoffentlich alles wieder gut.

 

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