Ja, sie wollen!

Eine Arbeitskollegin meines Engels beschloss vor einigen Monaten, ihren langjährigen Freund zu ehelichen. Wie viele andere Menschen auch, entschieden sich die beiden für das einprägsame Datum 09.09.09. Und dieser Tag begann am Morgen des letzten Mittwochs…

Nach dem jüngsten Ende unseres letzten Urlaubs wagte ich die Ungeheuerlichkeit, meinen Chef um einen bis anderthalb freie Tage zu bitten, um die Folgen des Ja-Wortes gebührend feiern zu können. So ungeheuerlich fand Chef diese Bitte dann aber gar nicht und so konnten Engelchen und ich am Mittwoch getrost ausschlafen. Das erste Eheversprechen gab sich das Brautpaar dann ungefähr zu der Zeit, zu der mein Freund und ich das Frühstück genossen. Die standesamtliche Zeremonie war der Familie vorbehalten.

Erst zur kirchlichen Trauung warfen wir uns in Schale, sammelten M. ein und machten uns auf den Weg. Weit hatten wirs ja nicht, nach nur zwanzig Minuten mischten wir uns unter die feierliche und mir nahezu vollständig fremde Hochzeitsgesellschaft, die zu einem Großteil aus Familie und zu einem weiteren Großteil aus gemeinsamen Arbeitskollegen meines Freundes sowie des Brautpaares bestand.

Nur sehr wenig später erfolgte der feierliche Einzug der Braut in die Kirche. Das kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen, war hier aber nicht minder bewegend! Sowohl der Bräutigam als auch die Braut waren nach wie vor mit einer Heirat vollends einverstanden und besiegelten ihr Versprechen für lebenslanges Glück zur Freude der anwesenden Gesellschaft mit einem züchtigen Kuss.

Nach der Trauung in der Kirche führte dann ein ansehnlicher Autokorso hupend und vergnügt zum Festsaal – ja, schön wärs gewesen, aber stattdessen ergab sich ein (im Nachhinein ganz erheiterndes) Durcheinander. Und das begann so:
Nachdem ich für meine Kamera im Supermarkt gegenüber der Kirche eiligst neuen Strom besorgt hatte, löste sich die Hochzeitsgesellschaft auf dem Platz langsam auf und verteilte sich auf die wartenden Autos. Auch M., Engelchen und ich liefen zu unserem Wagen auf der anderen Straßenseite. Wir erreichten die übrigen Fahrzeuge just, als sich das Gefolge hinter dem Brautauto langsam in Bewegung setzte.

Etwas irritiert waren wir dann schon, als der Wagen mit dem frischgebackenen Ehepaar links anhielt. Wir folgten dennoch brav der Kolonne vor uns, immerhin wussten die im Gegensatz zu uns, wo es langgehen sollte… Zu dumm, dass wir dann von einer roten Ampel getrennt wurden und ich plötzlich das Leitfahrzeug fuhr… Verwirrt und in Schweiß ausbrechend fuhr ich den frischgewaschenen blauen Wagen an der nächsten Bushaltestelle rechts ran, um die nachfolgenden Fahrzeuge zwecks Wegweisung vorbeiziehen zu lassen. Aber niemand fuhr vorbei, denn auch von denen hatte niemand einen Schimmer, und so stand der halbe Korso hinter uns auf der Haltestelle. Engelchen hüpfte eiligst aus dem Wagen zum Kofferraum, wo wir unter allgemeiner Zustimmung der hinter uns aufgereihten Windschutzscheiben das Navigationsgerät um Rat fragten. Zielsicher konnten wir nun unsere Fahrt kurz darauf fortsetzen und lenkten die Kolonne auf die Autobahn. Als uns das Navi auf eine mautpflichtige Strecke führen wollte, setzten wir uns ortskundig darüber hinweg und folgten der Autobahn – ohne die nachfolgenden Fahrzeuge, die scheinbar geradewegs in die Mautfalle fuhren… Wiederum verwirrt stellten wir nur kurz darauf fest, dass das Ziel unserer Reise vor der Mautstation gelegen hätte und der scheinbar bessere Weg über die Autobahn entpuppte sich als Umweg. Damit nicht genug saßen wir alsbald nach Verlassen der Schnellstraße hinter einem Müllauto fest und nachdem wir dieses endlich überholen konnten hielt uns auch noch eine Schleicherin auf. Doch welch Überraschung, als wir uns auf der Zielgeraden wie selbstverständlich und auf die Sekunde genau hinter dem verbliebenden kleinen Autokorso einreihten, das dem Brautwagen gefolgt war. Hupend und schon ein wenig erleichtert fuhren wir die Auffahrt hinauf, an deren Ende wir den Wagen parkten und uns wieder in die Hochzeitsgesellschaft eingliederten.

Die Feier an sich war dann von klassischer Natur. Nach der „Bescherung“ und einem unheimlich umfangreichen und köstlichen Buffet folgten Tanz und Spiele, der eine oder andere Schnäppes, Gespräche und Gelächter. Weil mich am nächsten Tag die Pflicht rief, blieben mein Freund, M. und ich bis Mitternacht, als nochmal lautstark gepoltert wurde. Die Rückfahrt blieb dann auch ohne Zwischenfälle, und müde und ein wenig heiser fielen wir ins Bett…

 

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