iOdyssee

Am 14. September um kurz vor halb zehn fing ich an, den Browser auf meinem iPad mit dem kleinen runden Pfeil sekündlich zu aktualisieren. Das machte ich fast zehn Minuten lang, bis die Webseite endlich das erhoffte Bild zeigte. Der Online-Verkauf des neuen iPhones begann.

Ich hatte dem Apple-Smartphone 2012 ja bewusst den Rücken gekehrt, weil mir das damalige Gerät im Vergleich mit den Konkurrenzprodukten einfach zu klein war. Nur zwei Wochen, nachdem ich auf ein Samsung-Gerät umgestiegen war, hatte ich es auch schon bereut und konnte nur noch hoffen, dass die zweijährige Vertragslaufzeit schnell verging.

Jetzt ist sie um und ich konnte endlich wieder zu Apple zurückkehren. Als Lehre aus dem kleinen Schnitzer hat das Unternehmen gleich zwei neue Modelle herausgebracht. Das iPhone 6 hat jetzt die Größe meines bisherigen Samsung-Telefons und ist damit für meine durchschnittlich großen Hände ideal. Gleichzeitig gibt es aber auch das iPhone 6 plus, das nochmal ein paar Zoll drauflegt. Als Handy ist mir das zu groß und so freue ich mich über die Standard-Ausgabe, die standardmäßig auch schon einen ziemlich hohen Preis hat.

Unsere Türklingel ist immer noch kaputt, und weil die iPhones am 19. September mit UPS ausgeliefert wurden, stand ich den lieben langen Tag am Wohnzimmerfenster, um die Lieferung auf überhaupt gar keinen Fall zu versäumen. Wie das dann immer so ist, hielt der dunkelbraune Lieferwagen erst am frühen Abend vor unserem Haus. Ich schnappte mir meinen Schlüsselbund und eilte die Treppen hinunter. An der Tür hätte ich fast den Lieferanten über den Haufen gerannt, der mir ohne Umwege mein neues iPhone aushändigte.

Wieder in der Wohnung setzte ich mich in den bequemen Sessel und öffnete sorgfältig die weiße Verpackung. Ich nahm vorsichtig das neue Handy heraus, öffnete die Abdeckung vor dem kleinen Schlitz an der Seite und zog die SIM-Karten-Halterung heraus. Die SIM-Karte hatte ich zum Glück schon vor Wochen bestellt. Ich trennte die kleine Karte aus ihrem Rahmen, drehte sie in die richtige Richtung, drehte nochmal, drehte dann die SIM-Karten-Halterung und schaute mir zu guter Letzt die Karte einmal genauer an: Micro-SIM. Winzig. Wieso passt diese winzige Micro-SIM-Karte nicht in die SIM-Karten-Halterung? Hilfe? Mein Freund besah sich das Dilemma und stellte fest, dass ich zwar eine Micro-SIM-Karte in der rechten Hand hielt, das iPhone 6 jedoch furchtbar gern eine Nano-SIM-Karte hätte. Fassungslos betrachtete ich die Micro-SIM in der einen und das vorläufig nutzlose iPhone in der anderen Hand.

Am 2. Oktober spielte mir mein Freund einen Streich. Am Vortag hatte ich eine Mail an meinen Mobilfunkanbieter geschrieben und mich beklagt, dass die vor zwei Wochen bestellte Nano-SIM-Karte immer noch nicht bei mir eingetroffen war. Nun also kam ich von der Arbeit heim, warf einen Blick in den leeren Briefkasten und in der Wohnung auf den Stapel Werbepost. Von einer Nano-SIM keine Spur. Ich fing gerade an, mich aufzuregen, als mein geliebter Engel einen Briefumschlag hervorzog und mich angrinste (im Nachhinein wünschte ich mir, ich hätte ihn zur Strafe dreifach durchgekitzelt!).

Wenige Minuten später zog ich mein iPhone, das seit zwei Wochen in einer Socke in meinem Nachtschränkchen wartete, hervor und setzte endlich die richtige SIM-Karte in das kleine Schubfach. Das Samsung-Handy konnte endlich in Rente gehen und ich war endlich wieder zufrieden.

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