IN TIME

Die Weihnachtszeit rückt näher, das ist deutlich zu spüren. Nein, gewiss nicht am Wetter.  Bis auf einen halben verschneiten Tag präsentierte sich schon der November von einer wenig winterlichen Seite, und der Dezember scheint es ihm gleich zu tun, nur viel nasser.
Nein, es ist vielmehr die Zeit, die zu dieser Saison immer besonders knapp ist. Die nächsten vier bis fünf Wochenenden sind pauschal schonmal verplant mit Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkten, Weihnachtsgeschenkeshoppen, Weih-nachtsdekoaufhängen, Weihnachtsplätzchenbacken und so weiter. Das zieht sich durch bis Silvester und Neujahr, die unnötigerweise dieses Mal ebenfalls ein Wochenende für sich beanspruchen.
Und so muss man die meisten Termine, die auch nur ansatzweise etwas mit Freizeitgestaltung zu tun haben, mitten in die Wochen legen. Kino, zum Beispiel.
Mit meinem Engel und mit Emma und Nowi lasse ich die dunkle, schmuddelige Novemberkälte draußen, als ich die Flügeltüren zum hell erleuchteten Kinocenter aufstoße. Die Tickets hat Emma längst besorgt, also sind uns unsere Plätze sicher. Wir decken uns wie üblich mit duftendem Popcorn und literweise Cola ein, bevor wir dem schnuggeligen Abreißer unsere Tickets hinhalten.
IN TIME heißt der Film, den wir uns an diesem Abend ansehen, mit dem mindestens ebenso schnuggeligen Justin Tim(e)berlake und mit einer aufreizend stilisierten Amanda Seyfried in den Hauptrollen. Zeit ist die Währung in einer nicht ganz so fernen Zukunft. Die Menschen sind genetisch verändert, ein jeder mit einem begrenzten Kontingent an Lebenszeit. An sich nichts Neues, nur dass sie ihre Lebenszeit an ihrem eigenen Arm ablesen können.
Timberlake alias Will Salas wächst in der untersten sozialen Schicht auf und hat dementsprechend nur wenig Zeit. Er muss jeden Tag hart arbeiten, um sich am Leben zu halten. Das Gleiche gilt für seine Mutter und alle anderen in dieser Zeitzone. Sie alle träumen von Greenwich, wo es Zeit im Überfluss gibt und die Menschen praktisch ewig leben. Die Reichen und Mächtigen bedienen sich an der Zeit der Armen und vermehren ihr Vermögen. Als eines abends Wills Mutter mit den letzten verbliebenen anderthalb Stunden den Bus zu ihrem Sohn nehmen will, wurden die Preise grad wieder erhöht, eine Busfahrt kostet jetzt das Doppelte – zwei Stunden. Sie rennt also buchstäblich um ihr Leben. Will, der an der Endhaltestelle mit einer Überraschung auf sie wartet, schnallt sofort, was passiert ist, als seine Mutter nicht aus dem Bus steigt. Er rennt ihr also entgegen, um ihr etwas von seiner eigenen Zeit zu geben. Es kommt, wie es kommen muss: Sie fällt ihm tot in die Arme.
In diesem tragischen Moment wird aus Will Salas ein futuristischer Robin Hood, der sich in die Welt der Reichen schmuggelt und ihnen die Zeit stiehlt, um sie den Armen zu geben. Dass er dabei die bezaubernde Tochter des reichsten Unternehmers kidnappt, kommt der Geschichte sehr entgegen.
Ein – wie ich finde – toller Film. Nicht so komplex wie INCEPTION, der Plot nicht neu, aber sehr unterhaltsames Popcorn-Kino, mal schnell und mal langsam.
Es regnet immer noch, als wir längst auf dem Weg zu meinem Auto sind, das wir in einem Parkhaus ganz in der Nähe abgestellt hatten.

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