In der Tierklinik

Großer Schreck kurz vor dem Jahreswechsel. In der Morgendämmerung, als mein Freund schon zur Frühschicht aufgebrochen war, wurde ich von herumtollenden Katern geweckt. Ein wenig zerknirscht scheuchte ich sie fort, es war noch dunkel um mich herum und ich wollte noch eine halbe Stunde in Ruhe schlafen. Als ich das Licht einschaltete, bemerkte ich, dass es nur ein Kater war, der da tollte. Und er tollte auch nicht richtig. Er rannte ein Stück, wälzte sich dann auf dem Boden, schüttelte sich und begann das Spiel von Neuem. Hm. Das war nicht richtig.

Weil der Kater gesundheitlich vorbelastet ist, war ich sofort hellwach. Ich sah ihn mir genauer an, betastete seinen Bauch. Fühlte sich gut an. Ich entschied dennoch, lieber mit ihm zum Tierarzt zu fahren. Dummerweise liegen die Transportkörbe im Keller. Den Schlüssel hatte mein Freund an seinem Schlüsselbund. Ich fuhr also zu seiner Firma, um den Schlüssel abzuholen, schnappte mir dann den Korb aus dem Keller und stürmte wieder nach oben in unsere Wohnung. Neelix empfing mich freudestrahlend an der Tür. Hm. Falscher Alarm?

Ich meldete mich vorübergehend bei meinen Kollegen ab und beobachtete das kleine Tier weiter. Kein falscher Alarm. Wieder dieses merkwürdige Verhalten. Da unsere Tierärztin gerade im Urlaub ist, rief ich in der nahegelegenen Tierklinik an und beschrieb das Verhalten und die medizinische Vorgeschichte. Ich sollte umgehend mit dem Kater vorbeikommen. Also schnappte ich mir den kleinen Neelix, sperrte ihn in die Transportbox und fuhr mit ihm in die Klinik. Wir mussten nur kurz warten, bis wir drankamen. Wir waren beide ziemlich nervös. Die Tierärztin war jedoch sehr fürsorglich, ließ mich in Ruhe erklären und nahm das verängstigte Tier dann vorsichtig aus seiner Box. Er wurde kurz abgetastet und dann eingehender untersucht. Ich zeigte ihr ein Foto von dem Katzenfutter, das er bekommt. Aber dann war die Ursache für sein Unbehagen plötzlich gefunden: Der Kater hatte vom Geschenkband genascht, das sich in den letzten Tagen anscheinend langsam durch seinen Körper bewegt und nach einem Ausgang gesucht hatte. Als nächstes kam eine Pinzette zum Einsatz. Entsetzt zog die Tierärztin dann 12 cm Geschenkband aus dem Tier. Sie erklärte mir, dass das extrem gefährlich sei, es könne sich im Verdauungsapparat verwickeln und müsste dann in einer Operation aus dem Tier herausgeschnitten werden. Wenn wir Glück hätten, sei das entfernte Stück alles gewesen.

Mit noch schlotternden Knien fuhr ich nach diesem Einsatz mit Neelix nach Hause. Als ich ihn aus dem Transportkorb in unsere Wohnung entließ, war er unglaublich glücklich und dankbar. Er wich mir nicht mehr von der Seite und stupste mich mit seinem Köpfchen immer und immer wieder an.

Das ist uns eine Lehre. Geschenkband ist bei uns ab sofort tabu!

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