Illumination

Neulich verabredete ich mich mit meinem Engel in der Innenstadt zu einem Kaffee. Ich war mit meinem weißen Bike gerade von der Arbeit gekommen und hatte es an einen Fahrradständer um die Ecke angeschlossen. Das Wetter war prächtig, und weil ich noch etwas Zeit übrig hatte, lief ich eine der Altstadtgassen entlang auf dem Weg zur St.-Aegidien-Kirche – einem von Lübecks sieben Kirchtürmen. Alle anderen sechs Türme hatte ich bereits aus der Nähe gesehen, nur St.-Aegidien liegt ein Stück abseits. Sie ist nicht sehr groß (jedenfalls nicht im Vergleich mit den anderen Kirchen). Trotzdem war es mir irgendwie wichtig, auch die siebte Kirche einmal aus der Nähe gesehen zu haben. Nicht aus spirituellen Gründen natürlich. Einfach der Vollständigkeit halber.

Im Café hatte ich fast freie Platzwahl, denn bei dem sommerlichen Wetter bildet sich eher eine Schlange vor dem Eisladen. Und weil ich immer noch ein wenig Zeit übrig hatte, vergrub ich meine Gedanken bis zum Eintreffen meines Freundes in meinem Roman. ‚Harlans Endspurt‘ ist die Fortsetzung von meinem Lieblingsroman ‚Der Langstreckenläufer‘. Das Kapitel, das ich an diesem Nachmittag im Café aufschlug, war über die Maßen spannend und ich beeilte mich mit dem Lesen, damit ich so viel wie möglich aufsaugen konnte, bis mein Freund eintraf. Ich hatte gerade drei Viertel geschafft, als ich ihn durch die Fensterfront ins Café kommen sah. Müde sah er aus. Das lag zum Einen sicher an der schwülen Wärme, die die Marzipanstadt seit Tagen im Griff hat. Zum Anderen – und das war sicher das Ausschlaggebende – lag es an seiner Arbeit, die ihn dieser Tage wieder besonders zu schaffen macht…

Nach einer knappen Stunde verließen wir das Café wieder. Engelchen machte sich auf den Weg zum Parkhaus, in dem er zuvor den blauen Wagen geparkt hatte, und ich lief zu meinem weißen Bike zurück. Gerade einmal rund anderthalb Stunden habe ich es allein gelassen, und schon war es kaputt. Der Dynamo hing auf der rechten Seite herunter, die Halterung war zerbrochen. Entschlossen griff ich nach dem schwarzen Gerät und riss es mit einem Ruck ganz vom Rahmen, verknotete die streunenden Kabelenden und fuhr ein wenig grimmig nach Hause.

Heute ist Donnerstag und nicht einmal eine Woche später hat mein Rad eine neue Beleuchtungsanlage. Ich habe einen Nabendynamo einbauen lassen, den kann man nicht so einfach abbrechen. Inklusive Einbau und neuer Lampen hat mich der Spaß über hundert Euro gekostet. Das ist in diesem Monat eigentlich ganz schlecht, denn unser großer Sommerurlaub steht vor der Tür…

Nächste Woche müssen wir noch arbeiten, und dann haben wir es geschafft. Drei Wochen lang sieht mich meine Firma dann nicht wieder, während wir in der ersten Woche zu Hause die Füße hochlegen, in der zweiten Woche ins Ferienhaus an der dänischen Nordsee fahren und gleich im Anschluss nach Kopenhagen reisen, wo wir noch einmal drei Tage verbringen werden. Die Kater bleiben währenddessen bei M. und B.

Bis dahin heißt es: unbedingt gesund bleiben. Im Moment grassiert die „Schweinegrippe“, und die wollen wir uns im Moment auf keinen Fall aufhalsen! In meiner Firma wurden schon Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Antiseptika für alle und Notfallpläne, falls die Krankheit bei uns ausbrechen sollte und Abteilungen durch Quarantänemaßnahmen lahmgelegt werden. Tg’s Arbeitgeber sieht das alles ein bisschen lockerer und verteilt pro Tag ein Desinfektionstuch an die Mitarbeiter.

Jetzt haben wir eine neue Nachbarin. Während es zunächst hieß, hier würde eine alleinerziehende Frau mit drei zehn- bis elfjährigen Kindern einziehen, ist es tatsächlich eine alleinerziehende Frau mit zwei Kindern, von denen das eine dreieinhalb und das andere sieben Jahre alt ist. Allesamt aber sehr nett, wenn auch ziemlich lebhaft.

Inzwischen ist Tg von einem Umzug schon nicht mehr so überzeugt, ist ja auch alles eine Kostenfrage. Trotzdem gucken wir uns morgen eine Wohnung in der Gloxinstraße an, sind aber relativ fest entschlossen, sie nicht zu nehmen. Na, mal sehen…

 

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