Hin und wieder zurück

Sturm und Regen halten uns auch heute Morgen die Treue. Aber wie schon gestern hält das unseren Enthusiasmus nicht zurück. Nach einem wie immer guten Frühstück schmieden wir die Ausflugspläne für diesen Mittwoch. Wir nehmen uns heute mal mehr als ein Ziel vor, damit sich die ganze Fahrerei auch lohnt. Zuerst werden wir Skjern besuchen, denn es soll dort eine Holzbrücke geben, die es sich anzusehen lohnt. Wir wissen nicht wo genau sie ist, aber wir werden sie bestimmt finden. Als nächstes wollen wir auf die Halbinsel Tipperne fahren, die sich im Fjord befindet. Sie ist die letzte Station vor unserem Strandziel auf dem schmalen Küstenstreifen vor der Nordsee.

Es ist kurz vor Mittag, als wir ins Auto steigen und den Kieselsteinweg entlang schleichen. Ab und an mogeln sich ein paar Spätsommer-Sonnenstrahlen durch die dicken Wolken. Skjern ist nicht schwer zu finden, mit Navi schon gar nicht, und so sind wir flugs auch schon angekommen. Da es nirgends ein Schild zur Brücke gibt, fahren wir zunächst ins Zentrum, wo wir den Blauen abstellen und die kleine Innenstadt zu Fuß erkunden. Wie an jedem dieser Tage hält mein Freund seine kleine Kamera auf einfach alles und jeden und fängt jeden noch so aufmerksamkeitsfordernden Augenblick ein.

Die Innenstadt von Skjern ist wirklich sehr klein, und so sitzen schon bald wieder im Auto und suchen die Holzbrücke. Und suchen. Und suchen. Dann geben wir auf und machen uns auf den Weg zu unserem zweiten Ziel. Als wir Skjern gerade verlassen haben und am Kreisverkehr die erste Ausfahrt nehmen, fällt mir ein Feldweg auf, auf den eine unübersetzbare Beschilderung weist. Nur das Zeichen für Sehenswürdigkeit (oder bedeutet es Hünengrab?) gibt uns einen kleinen Hinweis darauf, dass hier etwas sein könnte.

Also fahren wir in den Feldweg hinein. Es wird enger und die Wasserlöcher werden tiefer und breiter. Dann müssen wir uns entscheiden: links rum oder rechts rum? Wieder weisen zwei Schilder den Weg, wieder können wir kein dänisch. Wir entscheiden uns für den rechten Weg, denn links sehen wir nichts als Kuhweiden. Rechts sehen wir erst mal gar nichts, weil dichtes Gestrüpp die Sicht verhindert. Wir schicken also den Wagen hindurch, quetschen ihn über eine enge Brücke – oh, Wasser! Kurz dahinter steht ein Angler mit seiner Rute und guckt uns komisch an. Und dort, ganz hinten, ragen Holzstreben aus dem Boden, die eventuell aussehen, als könnten sie zu der vermissten Brücke gehören. Wir nähern uns und die Brücke nimmt weiter Gestalt an.

Als wir davor stehen, stellen wir fest, dass sie nicht mit dem Auto befahrbar ist. Sie ist wirklich aus Holz und vielmehr für Pferde gedacht. Wir kommen an dieser Stelle also nicht weiter, steigen stattdessen aus und schießen ein paar Fotos. Um uns herum stehen Rinder und der Fluss, über den die Brücke führt, ist gar nicht mal so groß. Ansonsten ist hier nur dieser Sandweg, der uns hergeführt hat.

Nach diesem Erlebnis kehren wir Skjern den Rücken und fahren geradewegs nach Tipperne. Die Halbinsel mitten im Fjord ist – Überraschung – auf der Karte von Wasser fast vollständig umgeben. Das ergibt sicher ein paar nette Motive für unsere Kameras. Das Navi schickt uns über diverse Querfeldeinwege bis kurz vor Nymindegab. Hier biegen wir in eine kleine Straße ein, die ein Stück weiter zu einem Kiesweg wird. Was soll’s, das kennen wir ja nun schon…

Wir sind nicht ganz allein, ein dänisches Auto fährt noch hinter uns. Ansonsten verirrt sich keine Seele auf diesen wirklich sehr abgelegenen, kleinen, von Nichts umgebenen Weg. Es dauert eine ganze Weile, in der wir uns über das fehlende Wasser wundern und an Viehweiden vorbeifahren, bis wir an ein Tor kommen.

Es ist geschlossen und der Weg dahinter darf nicht befahren werden. Außer sonntags… Auch unsere Verfolger kommen nun zum Stehen. Eine Dame steigt aus dem Wagen und ich lächle ihr ein fröhliches „Hi“ entgegen. Sie „Hi“-t zurück und liest dann eines der Schilder, die wir nicht entziffern können. Offenbar handelt es sich um ein Natur- oder Vogelschutzgebiet. Schade. Etwas frustriert verlassen wir das Ende dieses unsäglichen Weges und fahren die ganze Strecke wieder in bewohntes Gebiet zurück. Weil wir schon mal da sind, beschließen wir, uns Nymindegab genauer anzusehen. Wir sind bereits mehrere Male hindurch gefahren und haben den Ort nie eines zweiten Blickes gewürdigt…

Der Ort selbst ist nicht der Rede wert. Es gibt einen EDEKA und verschiedene kleine Handwerksbetriebe. Mehr nicht. Aber direkt vor dem Ortsausgang liegt ein See, und vor dem See ein steiler Hang, und auf dem steilen Hang stehen mehrere schöne Häuser, die einen phantastischen Blick bieten. Wir schießen ein paar Aufnahmen, legen uns auf den hölzernen Steg und setzen unsere Fahrt bald darauf fort.

Es zieht uns schon wieder an den Strand, und direkt hinter Nymindegab gibt es einen großen Parkplatz und einen Dünenaufgang. Ich ziehe meine Regenkleidung an und dann stapfen wir durch den sturmgepeitschten Sand, bis wir die Nordsee sehen können. Sandkörner schlagen uns ins Gesicht, aber der Blick entschädigt! Das Meer ist noch aufgewühlter als die Tage zuvor und die Sonne bricht durch die dunklen Wolken. Ein Farbenspiel von hellgelb bis dunkelviolett über einem tosenden Meer, das große Wellen an den Strand schleudert.

Nach diesem Ausflug in die Natur haben wir genug für heute und fahren wieder zurück zum Ferienhaus. Es tut gut, die Füße hochlegen zu können und nicht gegen Wind und Wetter ankämpfen zu müssen oder Feldwege nach Sehenswürdigkeiten abzusuchen. Wir schieben ein Huhn in den Backofen und lassen den Abend ganz ruhig ausklingen, mit Wein, Fernsehen und Blubberbad.

 

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