Herzensangelegenheiten

Es begann gestern Abend. Der Donnerstag war anstrengend gewesen, ein Termin jagte den nächsten. Erschöpft fiel ich irgendwann in mein Bett. Draußen war es bereits dunkel und nur die Lichter der Straßenbeleuchtung schienen noch durch mein Schlafzimmerfenster. Ich lag da und lauschte meinem Herzschlag. Es war ganz still und ich hörte dem regelmäßigen Klopfen zu. Regelmäßig? Da war nix regelmäßig… Zuerst ein Schlag, dann noch einer, dann keiner und dann zwei auf einmal… dann wieder ein paar und dann wieder Pause und dann wieder zwei auf einmal. Das ging vier oder fünf mal so, als ich mich erschreckt aufsetzte, durchatmete und das Licht anknipste. Dass mein Herz stolperte war mir nicht neu, das kam gelegentlich mal vor, aber noch nie war das so oft hintereinander passiert. Es ging noch eine Weile so weiter und das beunruhigte mich. Irgendwann legte ich mich dennoch wieder hin und schlief ein.

Am Freitagmorgen stand ich ganz normal auf, hatte den Rhythmus des vergangenen Tages längst vergessen und ging zur Arbeit. Doch nach einer halben Stunde etwa tat mein Herz einen weiteren Sprung und dann noch einen und noch einen und noch einen… Ich versuchte ruhig zu bleiben und zu überlegen, was ich tun soll. In der Firma war viel zu tun und mein erster Gedanke war: ich kann die Kollegen heute nicht allein lassen… Dann entschied ich jedoch zum Arzt zu gehen, sprach mit dem Chef und rief den Doc an. Ich erklärte der Sprechstundenhilfe mein Anliegen und sie meinte: „Oh heute ist das Wartezimmer sehr voll, hat das vielleicht bis Montag Zeit?“ Oh aber sicher, wenn das Wartezimmer doch voll ist, was machen da schon plötzlich auftretende Herzrhythmus-Störungen?! „Nein, es hat NICHT Zeit bis Montag!“

Um halb zehn war ich dann beim Doc – das heißt, im Wartezimmer – und kam um halb zwölf dann auch schon dran. Ich schilderte ihm mein Problem und er wies eine der Lernschwestern an, mir Blut abzunehmen *graus* und dann ein EKG zu machen. Ich durfte mich schon mal frei machen und dann zapfte sie mir fleißig Blut aus dem rechten Arm. Wie viel das war, kann ich nicht sagen, ich schaue bei so was immer weit weg…

Dann stöpselte sie mir lauter kalte Saugnäpfe an den nackten Oberkörper und schloss irgendwelche Kabel an, die sie für meinen Geschmack etwas zu ratlos auseinander tüdelte… Der Arzt rief ihr dann zu: „Lass Lacarian mal ne Weile liegen und dann starten wir die Messung!“ Neben mir ratterte inzwischen das Aufzeichnungsgerät und die Schwester meinte mal „Hmm…“ und mal „Hm.“. Dann war sie fertig, zuppelte den Papierstreifen aus dem Drucker und lief damit zum Doc. Sollte ich nicht noch ne Weile liegen bleiben bevor wir anfangen??

Als sie wiederkam murmelte sie irgendwas von Störung und nahm mir die ganze Kabelage wieder ab, zog mir die Saugnäpfe vom Körper – jetzt hab ich da lauter „Knutschflecke“ – und dann durfte ich mich wieder anziehen. Der Doc meinte dann, das sei alles ganz unbedenklich, ich wäre ja jung und schlank und ich solle mir keine Sorgen machen. Seine Erklärung war, dass diese Rhythmusstörungen nicht vom Herzmuskel selbst, sondern vom Nervenzentrum ausgelöst werden und daher nicht die Gefahr von Kammerflimmern bestünde. Diese Extra-Systolen (so nannte er das glaub ich) würden ihm zufolge ausgelöst, wenn mein Adrenalinspiegel sinkt, also zum Beispiel dann, wenn ich mich schlafen lege.

Na gut, der Doc ist der Doc und ich muss ihm wohl glauben, obwohl er nicht auf die Frage eingegangen war, wieso das nun so gehäuft auftritt. Am kommenden Mittwoch erwartet er das Ergebnis der Blutuntersuchung, da soll ich dann wiederkommen…

 

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