Haute couture

Gestern mussten wir unseren Alltagsstress mal wieder kompensieren. Üblicherweise passiert das beim Shoppen, denn das klappt einfach am besten.

Für unsere Shopping-Tour hatten wir uns diesmal etwas besonderes vorgenommen, nicht zuletzt, weil mein Freund in der kommenden Woche Geburtstag hat. Durch die Presse geisterte vor Kurzem, dass die Läden rund um Abercrombie und Hollister in Hamburg die Nase voll hätten. Und die Ohren auch. Warum das so ist, wollten wir uns live ansehen und setzten uns am frühen Samstagnachmittag ins Auto.

An der Zapfsäule bekam ich erstmal einen Schreck. Als ich das letzte Mal tanken musste, war der Spritpreis noch 15 Cent pro Liter günstiger! Das ist aber auch schon ein paar Wochen her. Davon ließen wir uns aber natürlich nicht abhalten und standen eine knappe Stunde später auf dem Rathausmarkt in Hamburg. Von hier aus hatten wir die Wahl, entweder mit Hollister in der Europa Passage oder mit Abercrombie bei der Alten Post zu beginnen. Eigentlich wollten wir ja auch nur mal gucken (und schnuppern). Wir wandten uns rechts herum und wühlten uns durch Menschenmassen in die Europa-Passage. Dass ausgerechnet gestern auch noch das Alstervergnügen stattfand, konnten wir ja nicht ahnen… Lange suchen mussten wir in der riesigen Shopping-Mall dennoch nicht. Hollister befindet sich im ersten Obergeschoss und zeichnet sich auf den ersten Blick besonders dadurch aus, dass zwei Reihen Menschen vor seiner Tür auf Einlass warten. Die Schaufenster bestehen aus Monitoren, auf denen vermutlich die kalifornische Küste mit gut gebauten Surfern zu sehen ist. Den Eingang immerhin konnten wir im Vorbeigehen sehen. Zwei super-altmodische Sessel unter einem Kronleuchter, schummriges Licht, Musik und ein verlockender Duft – ach ja, und ein gutaussehender, freundlich lächelnder Türsteher, der dafür sorgt, dass sich nie zu viele Kunden auf einmal in dem Laden aufhalten und sich gegenseitig auf die Füße treten.

Anstatt uns einzureihen trollten wir uns zunächst wieder und machten uns auf die Suche nach Abercrombie & Fitch. Die grobe Position kannten wir, den Rest sollte unser Pfadfindergeist erledigen. Der scheint bei meinem Freund ausgeprägter zu sein als bei mir, denn er entdeckte den Laden zuerst. Wobei, auch hier sahen wir als erstes die Schlange an Menschen, die geduldig wartete. Außen am Gebäude deutet nicht viel mehr als ein gusseisernes Firmenschild auf das hin, worauf sich all diese Leute hier freuen. Einen leichten Duft konnte wir ebenfalls vernehmen, als wir am Eingangsportal vorbeigingen. Auch hier regelt ein niedlicher Türsteher den Verkehr, während hinter ihm ein halbnacktes Männermodel damit beschäftigt ist, sich mit Fans ablichten zu lassen.

Weil uns auch hier die Schlange zunächst zu lang war, schlenderten wir wieder auf den Rathausmarkt, der ja zum Glück in Reichweite liegt, und stärkten uns mit einer Grillwurst, ehe wir beschlossen, Butter bei die Fische zu geben und Nägel mit Köpfen zu machen. Wir reihten uns vor Abercrombie ein und waren überrascht, wie schnell es doch voran ging. Dann tauchten wir ein in das Halbdunkel des altehrwürdigen Gebäudes, baten das Model nicht um ein Foto und versuchten, uns zu orientieren. Das Interieur ist sehr dunkel, vom Fußboden über die Regalwände bis zur Decke ist alles in schwarz-braun gehalten. In den Regalen leuchten dafür umso farbenfroher T-Shirts, Hoodies, Pullover, Unterwäsche, Mützen und mehr. Man möchte glauben, dass jedes Einlegefach von einem eigenen Spot angestrahlt wird. Alles ist tadellos aufgeräumt und nach Farben und Größen geordnet. Der Laden besteht aus verschiedenen Räumen, die alle in etwa gleich groß sind. Die Musik ist angenehm laut, man kann sich durchaus noch gut verständigen. Und überall trifft man motivierte Verkäufer, die noch dazu richtig gut aussehen (als wäre das Absicht…). Sie sind nicht aufdringlich, aber immer hilfsbereit. Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, machten wir uns gezielt auf die Suche. Neue Shirts brauchten wir eigentlich sowieso, und jetzt, wo der Herbst beginnt, kann ja auch eine zusätzliche Jacke nicht schaden. Unterwäsche kann man ja auch nie genug haben. Preislich bewegt man sich bei A&F ja eher auf gefährlichem Terrain, weshalb wir aufpassen mussten, nicht zu herzhaft zuzulangen. Man kann fühlen, dass die Stücke den größten Teil ihres Preises wert sind. Mein Freund und ich sind seit über sechs Jahren zusammen und damals besaß er ein T-Shirt von Abercrombie, das ich noch heute trage.

Mit zwei Tüten, ein wenig benebelt vom Store-Duft und ziemlich gut gelaunt liefen wir zum dritten Mal über den Rathausmarkt, um nun auch Hollister – Abercrombies kleiner Schwester – einen Besuch abzustatten. Es war tatsächlich noch voller geworden in der Europa Passage, als wir uns ans Ende der Warteschlange stellten. Auch hier dauerte es aber nicht lange, bis wir den Laden betreten durften. Er unterscheidet sich doch recht stark von Abercrombie, wie ich nach dem direkten Vergleich feststellte. Er ist tatsächlich etwas heller, die Musik ist anders, der Duft ebenfalls. Der Store ist nicht so groß und auch nicht so aufgeräumt. Hier liegen Kleidungsstücke auch mal auf dem Boden, ein Tisch ist komplett zerwühlt, Damen- und Herrensachen sind nicht strikt getrennt, wie bei A&F – etwas, das ich überhaupt nicht leiden kann. Hier gingen wir nach kurzer Zeit dann auch nur mit einer Tüte wieder heraus.

Beide Läden waren durchaus eine Erfahrung, die wir gern gemacht haben. Warum sich Nachbarläden so aufregen, können wir gut verstehen. Allerdings nicht wegen des Duftes oder der Musik, die draußen wirklich nur ganz schwach wahrnehmbar sind. Vielleicht stören sich die Nachbarn eher an dem Andrang, der vor ihrer Tür leider fehlte…

Für den in einer Woche anstehenden Urlaub (und wohl auch für die Zeit danach) sind wir klamottentechnisch erstmal wieder ausgestattet. Das muss auch so sein, denn am Ende des Tages sah meine Kreditkarte ganz schön abgenutzt aus…

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