Hätte ich doch nicht weitergelesen!

Ich erinnere mich, wie ich in einem meiner Einträge das Buch erwähnte, das ich dieser Tage lese. Es ist die Geschichte eines schwulen Läufers, der sich gemeinsam mit seinem Partner auf dem Weg zu den olympischen Spielen in Montreal gegen einen Spießrutenlauf der konservativen Welt in den 70er Jahren behaupten muss. Das Buch ist fantastisch geschrieben, in jede der einzelnen Figuren kann sich der Leser hineinversetzen und die Entwicklung der Hauptfigur, der Beginn einer schwierigen Liebe und ihr wundervoller Verlauf ließen mich Abend für Abend mit einem zufriedenen Lächeln einschlafen.

In dem besagten Eintrag erwähnte ich, dass ich an einem Abend nicht weiterlesen wollte, weil das vorige Kapitel so schön ausgegangen war, dass ich befürchtete, im darauffolgenden könnte etwas ganz Schlimmes passieren. Es ging noch viele Kapitel gut, es wurde sogar immer besser – bis gerade eben…

Ich habe das Buch nun fast durchgelesen und es kam, was kommen musste: eine Tragödie, so brutal und niederschmetternd, dass ich mir wünsche, ich hätte die Story nie gelesen! Schluchzend und tränenüberströmt habe ich das Buch beiseite gelegt und mich gefragt, ob das wirklich nötig war.
Die Autorin brillierte mit einer pausenlos packenden und mitreißenden Story! Sie war spannungsgeladen, romantisch, authentisch und einfach wunderschön. Der Leser muss den Protagonisten einfach lieben. Mehr hätte die Story nicht gebraucht. Warum muss sie diese Geschichte dennoch so tragisch enden lassen?!

Ich weiß, es ist nur ein Buch. Aber es hat mich ganz schön mitgenommen. Es hat sich über dreihundert Seiten lang kontinuierlich gesteigert, und jetzt, auf der Zielgeraden, wird der Leser in einen Abgrund gestürzt.

Hätte ich doch nicht weitergelesen!

1974 – Patricia Nell Warren – Der Langstreckenläufer

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