Ha-Chi

Es hat wieder zu schneien begonnen. Ganz kleine, schnelle Eisflocken. In der letzten Woche ist der Schnee zu bizarren Eisflächen gefroren. Plattgetreten, plattgefahren, glattgerubbelt, so dass man durch das Eis den Gehweg sehen kann, konserviert, bis der Kälte endlich der eisige Atem versiegt.

Gestern hatten wir Besuch aus Hamburg. Mit Christian habe ich die Wehrdienstzeit überstanden und bis heute sehen wir uns ein- bis zweimal im Jahr. In nur wenigen Wochen statten wir ihm einen Gegenbesuch ab. Das bietet sich einfach an, weil mein Engel dann jeden Tag in Hamburg arbeitet.

Entspannungs-Workshops sind immer so eine Sache. Vor Jahren habe mich mit meiner besten Freundin an einer Gruppen-Meditation eines buddhistischen Zentrums in der Stadt mit den Hochhäusern teilgenommen. Das war damals zum Abgewöhnen, obwohl wir uns wirklich darauf hatten einlassen wollen. Gestern dann traf ich mich mit meinen Arbeitskollegen um kurz vor neun Uhr zu einem sogenannten „Ruhemoment“. Ein Marzipandoktor referierte eine Stunde über Stress, dessen Auslöser, Symptome und Folgen.

Bei der eigentlichen Entspannungsübung legten wir uns auf mitgebrachte Decken und schlummerten bei Meeresrauschen. Das sollte entspannend sein, erinnerte mich aber stark an die Verkehrsgeräusche vor meinem Schlafzimmerfenster. Wussssch. Wuuuussssch.

Am Freitagmorgen rief mich meine Mum im Büro an und warf meine halben Wochenend-Pläne über den Haufen. In einer Stunde werde mich auf den verschneiten Weg in die Heimat machen, um meine Familie zu besuchen. Mein Engel muss derweil arbeiten. Seine letzte Wochenendschicht. Er zählt bereits die Tage. Ende Januar hat er eine Woche Urlaub und dann startet er neu durch.

Der Schneefall wird stärker und ich sollte mich langsam fertig machen. Es kann nicht schaden, ein wenig früher als geplant aufzubrechen. Es ist wieder so weit: Ich will Frühling!

 

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