Frustshoppen

Um neun Uhr heute früh schlug ich die Augen auf. Neben mir schlief ein weißer Kater auf seinem Kratzbaum und auf der anderen Bettseite schlummerte mein Freund. Er muss heute eine Spätschicht überstehen, deshalb wecke ich ihn nicht, als ich die Bettdecke zurückwerfe und mit nackten Füßen über den Dielenfußboden patsche. Wie erwartet folgen mir die Kater und ich schließe die Tür hinter ihnen, damit sie Tg schlafen lassen. Nach einem gepflegten Badaufenthalt setze ich mich an den Rechner und setze viele kleine Seitenzahlen in mein Tagebuch…

Es ist langweilig, so ganz allein, also krabbele ich unter Tg’s Bettdecke und kuschele mich an ihn. Vielleicht kuschelt er ja zurück…?

Den Rest des Tages bin ich deprimiert, also starte ich zum Frustshopping, nachdem ich ihn zur Arbeit gefahren habe. Auf zu IKEA! Ich habe den Balkon vermessen und möchte nun endlich den Holzfußboden kaufen. Erster Stopp: Tankstelle. Ich tanke den Wagen voll (als ich endlich den Tankdeckel gefunden und den Wagen auf die richtige Seite gestellt habe…). Dann montiere ich die Deutschland-Flaggen ab (ja, wir haben sie noch, obwohl die deutsche Mannschaft gegen Kroatien verloren hat!), damit sie auf der Autobahn nicht geschrottet werden und dann geht es los.

Mir ist der Wagen auf der Autobahn nach wie vor nicht spritzig genug. Und die Lenkung ist mir immer noch zu empfindlich, ich fahre Schlangenlinien. In der Stadt ist alles OK, das macht riesigen Spaß, aber auf dem Highway nicht.

Nichtsdestotrotz komme ich in Moorfleet an, parke ungeschickt (ich kann mit dem Auto nicht vorwärts einparken) und schon stehe ich auf der Rolltreppe nach oben. Die Ausstellung wird gerade umgebaut. Was noch steht, kenne ich schon von unserem letzten Besuch. Auf dem Weg zu den Bodenplatten durchlaufe ich brav alle Ausstellungen. In der Küchenabteilung fällt mir ein, dass ich einen Küchenstuhl kaufen wollte. Ich finde auch, was ich suche, notiere mir die Regalnummer und zwänge mich weiter durch die vollen Gänge. Bevor ich die Kassen erreiche suche ich angestrengt nach den Bodenplatten. Beim letzten Mal standen sie genau hier… Als ich schon zu verzweifeln beginne sehe ich einen großen Stapel weiter vorn. Eine Frau ist eifrig am Einpacken, sie hat schon einen beachtlichen Stapel auf dem Einkaufswagen.

Ich stehe vor dem Holzberg und rechne angestrengt. Dann rechne ich nochmal, weil ich es nicht glauben will. Aber es ändert nichts am Ergebnis. Für unseren kleinen Balkon kosten die Bodenplatten – und es sind nicht mal die richtigen – 112 Euro! Ich hätte für die benötigten 4,5 m² bis zu 80 Euro ausgegeben, aber das ist mir dann doch zu viel.

Niedergeschlagen suche ich das Warenregal, in dem unser neuer Küchenstuhl auf mich wartet, klemme ihn mir unter den Arm und stelle mich an eine der Kassen. Auch hier ist es wieder ganz schön voll. Hinter mir steht eine Familie mit nervigen Kindern, an der anderen Kasse steht ein Typ mit Iro und Freundin und vor ihnen stehen zwei Omas, die irgendwie überfordert sind. Durch die Lautsprecher werden die Eltern vom kleinen Carlo gebeten, ihn aus dem Smaland abzuholen und am Haupteingang wird schon zum zweiten Mal ein Ersthelfer benötigt.

Ich verstaue den neuen Küchenstuhl und ein passendes Sitzpolster im Auto und dann stehe ich schon wieder auf der Rolltreppe nach oben. Abendessen bei IKEA: Köttbullar und ein Glas Erdbeeren mit Sahne. Das sättigt. Gleich nach dem Essen muss ich dann erneut durch die ganze untere Etage, um das Gebäude zu verlassen und zehn Minuten später dröhnt „Tanz der Vampire“ aus den Autolautsprechern auf der Autobahn. Im Rückspiegel nähert sich ein Peugeot 207 in Montebello-Blau, während Alfred seine Sarah besingt und Graf von Krolock mir eine Gänsehaut zaubert. Dann überholt mich der Peugeot und am Steuer sitzt der Iro von der anderen Kasse mit seiner komischen Freundin, die wie ein Typ aussieht. Später treffe ich die beiden wieder, als ich sie mit 170 Stundenkilometern überhole. Langsam muss der Wagen ja mal richtig ausgefahren werden.

Wieder zu Hause mache ich drei Dinge gleichzeitig: Ich höre weiterhin Tanz der Vampire, baue den Küchenstuhl zusammen und schaue die letzte Viertelstunde des Fußballspiels Schweden gegen Spanien. Ein kurzer Blick auf meinen Tippzettel aus der Firma sagt mir, dass der Spielstand von 1:1 noch nicht ausreicht, denn nach meiner Vorhersage muss Spanien noch genau ein Tor mehr schießen. Aber dann ist die Zeit um und nur drei Nachspielminuten sind noch übrig. Und so, wie wir es bei einigen Spielen dieser Meisterschaft schon gesehen haben, fällt das entscheidende Tor in der allerletzten Minute! Ein Glück für mich, Spanien gewinnt 2:1!

 

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