Fremdgänger

Am 12. September stellte Apple sein neues Flaggschiff vor: Das iPhone 5. Wie viele andere Menschen auch habe ich lange gespannt gewartet und mich gewundert, dass das Unternehmen in diesem Jahr alle anderen namhaften Anbieter an sich hat vorbeiziehen lassen. Steckte Kalkül dahinter? Oder ist Apple nach Steve Jobs Tod wie gelähmt?

Um das herauszufinden und um uns eines besseren belehren zu lassen haben wir am Tag nach der Veröffentlichung unser Ferienhaus vorübergehend hinter uns gelassen und sind dorthin gereist, wo es Zugang zu einem WLAN gibt: Esbjerg. Jeder einen Burger mümmelnd lud ich die sogenannte Keynote auf mein iPad herunter, also die vollständige Aufzeichnung der Apple-Veranstaltung. Das dauerte eine Weile, denn der öffentliche Internet-Zugang im dänischen Esbjerg war nicht unbedingt der schnellste…

Die Keynotes sehe ich mir immer gern an, sie sind gut gemacht und können mich immer wieder begeistern.

Doch diesmal nicht. Das neue iPhone hat mich ziemlich enttäuscht, was zum Einen an der langen, Erwartungen schürenden Wartezeit und zum Anderen an Konkurrenzprodukten lag, die einfach mittlerweile das iPhone überholt haben. Apple hat natürlich wieder eine Menge Innovationen in sein neues Produkt gepackt. Sie haben die Technik noch kleiner gemacht, die Verarbeitung der Geräte sei so präzise wie bei einer Schweizer Uhr. Aber was sich äußerlich getan hat, hat meine Erwartungen bei Weitem nicht erfüllt. Sie haben das Gerät einfach etwas länger gemacht, so dass eine weitere Vierer-Reihe Apps auf das Display passt. Die Sprachsteuerung ist nicht neu, und während ich gehofft hatte, dass sich Siri jetzt durch einen Sprachbefehl angesprochen fühlt (wie andere Unternehmen das bereits anbieten), muss man hier nach wie vor auf dem Display einen Button drücken, um es zu aktivieren. Die Karten-App ist jetzt ein Navigationssystem, da waren andere Anbieter aber auch schneller. Und als Gimmick kann man jetzt ganz einfach Panorama-Fotos erstellen. Ui, toll…

Ich hatte mir ein breiteres (nicht längeres) Display gewünscht, um das Tippen auf der kleinen Tastatur zu erleichtern. Eine sprach-aktivierende Spracherkennung, damit ich das iPhone beim Autofahren einfach verwenden kann (oder es einfach rufen kann, wenn ich es mal wieder verlegt habe). Ganz ehrlich, ein Panorama-Foto-Tool ist für mich keine Innovation, die ich von Apple gewöhnt bin.

Und so kam es, dass ich mir gestern ein Fremdprodukt bestellt habe. Und habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen? Ein bisschen schon. Aber um das iPhone zu kaufen, reicht es nicht mehr, dass es von Apple ist.

In zwei Jahren sprechen wir uns wieder.

 

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