feucht, fröhlich und schadhaft

Wenn ein Monat zuende geht, ohne dass ich viel geschrieben habe, ist das meistens ein gutes Zeichen, weil ich dann vor lauter Aktivität kaum zum Schreiben komme. Im Grunde war das mit dem Juni ganz ähnlich.

Gleich am Wochenende nach der Hörspielmesse trafen wir uns mit M., B., N., R. und K. zum Bowling. Das Bowling-Center liegt direkt über meinem Fitnessstudio, was meinem schlechten Gewissen neue Nahrung gab – ich war inzwischen seit zwei Monaten nicht mehr beim Sport… Aber Bowlingkugeln sind ja für ihre Muskelkatergarantie bekannt, und so siegte die Bequemlichkeit. Leider habe ich keine Kamera mitgenommen, daher gibt es von meiner grandiosen Niederlage leider leider keine Fotos. Der Abend war sehr lustig und es war schön, alle mal wiederzusehen.

In der darauffolgenden Woche hatten wir Urlaub. Mangels Knete hatten wir nichts weiter geplant, und so verbrachten wir die meisten Tage damit, im Gartencenter frisches Grün für unsere Wohnung, den Balkon und den Garten zu kaufen. Alles in Allem hätten wir von den Ausgaben auch in den Urlaub fahren können…

Ein Kurzurlaub war dennoch drin, denn am Dienstag packten wir Schlafzeug in mein blaues Auto und besuchten U. und W. in Hamburg. Ursprünglich wollten wir einfach grillen, aber dann hat U. einen Eventnachmittag draus gemacht. Wir bestiegen zu viert die U-Bahn, um an die Landungsbrücken zu fahren. Von dort aus sollte es dann auf eine der Elbfährlinien gehen. Aber nach drei oder vier U-Bahn-Stationen war zunächst Schluss. „Alle Fahrgäste aussteigen, der Zug ist schadhaft!“, quäkte es aus den Lautsprechern. Und so stiegen alle Leute aus der U-Bahn aus. Während der defekte Zug (irgendeine Tür ging nicht zu) den Platz räumte, stiegen doppelt so viele Leute in die nächste Bahn. Es war ganz schön warm! An den Landungsbrücken war es auch nicht viel kühler, die Sonne gab ihr Bestes und strahlte vom hellblauen Himmel. Nach einer schwierigen Orientierung führte U. uns zum Anleger für die richtige Fähre. Die ließ auch nicht lang auf sich warten und schon wankten wir an Deck. Bis dahin hatte ich ja keine Ahnung, dass es Verkehrslinien entlang dem Elbufer gibt… Mit einer steifen Brise um die Ohren bestaunten wir das vorbeiziehende Hamburg mal von einer ganz anderen Perspektive. Da stehen Gebäude, von denen ich noch nie etwas gehört hatte, da liegen Menschen an Sandstränden quasi mitten in der Stadt, und auf den Hängen thronen die Villen der Elbchaussee mit ihren gigantischen Wassergrundstücken. Auf der Rückfahrt, sagte U., würden wir das Dockland-Gebäude besteigen, an deren Anleger wir gerade festmachten.

Die Tour setzte sich fort bis Finkenwerder, wo das riesige Airbus-Gelände liegt. Auf der Rückfahrt hatten wir heftigen Gegenwind, und ich musste meinen Cordhut verkehrt herum fest auf meinen Kopf setzen, weil er sonst auf der Elbe bis hinaus auf das offene Meer getrieben wäre. Mehr als einmal wehte der Wind die schäumende Gischt, die das kleine Schiff am Bug aufwühlte, über das ganze Deck. Die Fahrgäste nahmen’s mit Humor, immerhin tat so eine Kalte Dusche bei der Hitze ganz gut. Und dann erreichten wir erneut „Dockland“. Die Fähre legte kompliziert an und ließ die Gangway herab. Wir liefen über den schwimmenden Ponton an Land und staunten nicht schlecht. Das Dockland-Gebäude hat Treppen auf dem „Rücken“, über die man bis auf das Dach laufen kann. Natürlich sind wir alle Stufen hinaufgestiegen und genossen die atemberaubende Aussicht über die Elbe.

Dockland

Nach der anstrengenden Kraxelei stiegen wir die Stufen bald wieder hinab und setzten uns an Deck der nächsten vorbeischippernden Fähre. Der Weg zurück zu den Landungsbrücken führte und zunächst an der Baustelle der Elbphilharmonie vorbei. Wir schon bei unserem letzten Besuch in der Hafencity war die Aussichtsplattform gerade im Bau, und weil unser Ausflug diesmal mitten in der Woche stattfand, herrschte auf der Baustelle emsige Betriebsamkeit.

Als wir kurz darauf an den Landungsbrücken anlegten, wurden alle Fahrgäste vom Käpt’n aufgefordert, von Bord zu gehen, denn das Schiff war „schadhaft“… Wie zuvor bei der U-Bahn funktionierte eine der Türen – pardon – Gangways nicht. War uns egal, weil wir ja sowieso aussteigen mussten…

Bald darauf brutzelten schon Nürnberger Würstchen und Nackensteaks auf dem Elektrogrill auf Us und Ws Balkon. Die viele Seeluft hatte uns hungrig gemacht. Nach der Stärkung mussten wir auch schon bald wieder aufbrechen, denn um 22 Uhr wollten wir uns das Wasserlichtkonzert auf Planten un Blomen ansehen.

Zu diesem feuchtfröhlichen Ereignis hatten wir eine Flasche lustigen Asti eingepackt. Lustig wurde es – und feucht allemal! Der Wind, der uns noch am Nachmittag die Elbe ins Gesicht sprühte, tat Gleiches nun mit den bunten Wasserfontänen! Na ja, bissl Asti und alles wird gut (auch wenn es verdammt kalt war… und feucht… aber lustig).

Zum Glück waren wir eingeladen, bei den beiden zu übernachten, denn so lustig noch Auto fahren wollte ich dann auch nicht. Zufällig hatten wir ja das Luftbett schon im Wagen und legten uns daher auch bald schlafen. Insgesamt ein total schöner und anstrengender Dienstag.

 

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