family affairs

Am Samstag stand Familienbesuch ins Haus. Endlich besuchten uns mein Bruder Mark mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. Tyler, der jüngste, ist am 14. April auf die Welt gekommen und am Samstag sahen wir ihn zum ersten Mal. Zwar ist er nicht mehr wirklich winzig, aber trotzdem total knuddelig! Und ziemlich gut gelaunt obendrein! Wenn man ihm direkt in die Augen sieht und mit ihm spricht, dann lächelt er einem die Sonne ins Herz! Und Julie – Tylers inzwischen große Schwester, ist noch lebhafter geworden! Das kleine Mädel legte eine Energie an den Tag, mit der man kaum mithalten konnte! Erstaunlich, dass Kater Neelix seine helle Freude an ihr hatte. Die beiden haben sich gegenseitig wieder und wieder durch unsere Wohnung gejagt.

Als Julie gerade wenige Wochen alt gewesen war, habe ich meinen Bruder und seine Frau zu einem Ausflug an das Holstentor mitgenommen, um schöne Fotos zu machen. Das wiederholten wir nun mit Tyler, der davon aber – wie Julie vor zwei Jahren – so gar nichts mitbekommen hat. Er schlief tief und fest in seinem Kinderwagen. Die kleine Julie hingegen fühlte sich draußen total wohl und rannte und tobte auf dem Vorplatz zum Lübecker Wahrzeichen.

Allmählich zogen Wolken über den bislang meist blauen Himmel, und so ließen wir das historische Tor bald hinter uns. In der Innenstadt suchten wir ein wenig Abkühlung bei einem Eis, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Nach einem Einkauf bereiteten Mark und ich das Abendessen vor, während Tg noch im Büro schwitzte. Wie so oft, wenn Gäste da sind, zückte ich den Wok, der auch heute mangels Grillwetter herhalten musste.

Nicht lang nach dem Abendessen wurde es für die junge Familie Zeit aufzubrechen. Die Dämmerung setzte bereits ein, Julie wurde ruhiger und Tyler hatte auf Familienbesuch auch keine Lust mehr. Cricket, unser weißer Kater, machte drei Kreuze, als die kleinen Kinder wieder weg waren und er sich erleichtert aus seinem Versteck trauen konnte. Es war schon fast Mitternacht, als unsere Besucher zu Hause angekommen waren.

Weit weniger gute Neuigkeiten gab es am selben Tag von meinem zweiten Bruder Dennis. In den tiefsten Tiefen seiner Pubertät gehen zur Zeit alle wilden Pferde mit ihm durch, und er gerät mehr und mehr auf eine ziemlich schiefe Bahn. Meine Eltern sind verzweifelt und kommen nicht an ihn ran, aber auch meine anderen Geschwister machen sich große Sorgen um ihn. Die Schauergeschichten, die meine Schwester mir am Telefon erzählte, ließen mich in der darauffolgenden Nacht nicht einschlafen. Eine Lösung wollte mir dennoch nicht einfallen. Seine Zukunft scheint ihm egal, er ist seiner „Freundin“ offenbar vollkommen hörig und unseren Eltern begegnet er mit offener und inzwischen gewalttätiger Grausamkeit. Was oder wer genau hinter dem Verhalten meines jüngsten Bruders steckt, bleibt für den Rest der Familie bislang im Verborgenen. Verstehen kann ihn in diesem Zustand keiner von uns. Und solange er niemanden an sich heran lässt, kann ihm niemand helfen. Richtig übel an der Sache ist, dass ich weiß, wie sehr meine Mum darunter leidet. Sie hat das alles schon mit meiner Schwester mitmachen müssen. Das alles macht mich im Moment sehr traurig.

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