Esbjerg, Blåvand und das Kaminfeuer

Ganz anders als am Tag zuvor leuchtete uns der blaue Himmel an diesem Sonntag mitten ins kleine Schlafzimmer. Ich lag auf dem Rücken, blinzelte und starrte an die hohe Decke, durch deren Mitte sich der selbe Balken zog, der auch den Rest des hellhölzernen Ferienhauses trug. Links von mir konnte ich durch das bis zum Boden reichende Fenster nach draußen sehen. Die Sonne schien hell und wenig Wind bewegte die Gräser, die rund um unser Grundstück wuchsen. Rechts von mir hörte ich die ruhigen Atemzüge meines Engels. Gleichmäßig, so wusste ich, dass er noch schlief. Stille Zufriedenheit lag an diesem Morgen in dem hellen Schlafzimmer.

Unser Ferienhaus

Als wir nach dem Aufstehen feststellten, dass die Sonne noch an den Temperaturen arbeitete, beschlossen wir, doch drinnen am Esstisch zu frühstücken. Die Sitzgruppe aus dunklem Massivholz fügte sich als harmonischer Kontrast in die Ausstattung unseres Domizils ein. Durch die breite Fensterfront konnten von drinnen das Ferienwetter betrachten und dabei ganz gemütlich frühstücken.

Französische Autos dominieren das Bild auf dänischen Straßen, und das liegt nicht etwa daran, dass in Frankreich die Sommerferien begonnen hätten. Auf dem Weg ins dänische Esbjerg kamen uns unzählige Citroën, Renault und Peugeot entgegen. Viel Verkehr jedoch herrschte nicht auf den Straßen.

Weit entfernt vom heimatlichen Verkehrstrubel erreichten wir Esbjerg. Es mag am Wochentag gelegen haben, dass die Stadt so ausgestorben wirkte. Einen Parkplatz zu finden war nicht sehr schwer, und auch in der Innenstadt waren wir die meiste Zeit über allein. Schöne Gebäude – neue und alte – mischten sich innerorts mit Baracken, die von den Bewohnern scheinbar fluchtartig verlassen worden waren. Die Farbe war von den Außenwänden geblättert, hinter den toten Fensterscheiben reckten sich skurrile pflanzliche Überreste der Sonne zu und niemand beachtete mehr die stummen Geschichten, die die verstaubten Bilder an den Wänden erzählten.

Esbjerg | Bahnhof

Das Bahnhofsgebäude sah dagegen fast spielerisch aus. Ein Gebäude der Neuzeit im Stil des Altertums. Mit Türmen und Zinnen, verspielten Steinen und immerhin ein wenig Lebhaftigkeit lud dieser Ort zum kurzen Verweilen ein. Ansonsten gab der Ort an diesem Tag nicht viel von sich preis, und so besorgten wir in einem deutschen Supermarkt angesichts des schönen Wetters ein paar Grillutensilien und trollten uns dann wieder.

Auf dem Weg zurück ins Ferienhaus bogen wir auf halber Strecke links ab und fuhren nach Blåvand. Dieser Ferienort direkt an der Nordsee brummte nur so vor Trubel. Wir schlichen mit meinem neongelben Auto durch eine Touri-Fußgängerzone, die derart belebt war, dass man Acht geben musste, um niemanden zu überfahren.

Strandwetter in Blåvand

Kurz dahinter erreichten wir die Dünen. Die Sonne gab sich viel Mühe, aber so am Meer ist es dann doch sehr frisch und windig. Kinder und Väter ließen bunte Drachen steigen, während die Muttis die Szene mit der Kamera festhielten oder die Kinderhaut mit Sonnenmilch vor der Sonne zu schützen versuchten. Mein Engel und ich liefen ein Stück am Wasser entlang, auf dem das Sonnenlicht Milliarden Diamanten funkeln ließ. Die Seeluft verursachte ein stärker werdendes Hungergefühl, so dass wir nach Erreichen der Betonbunker im Sand den Rückweg antraten.

In dieser Gegend schien alles gleich auszusehen. Die Straßen sind von guter Substanz und hin und wieder durchquert man ein kurzes Waldstück. Links und rechts der Strecke liegen Maisfelder und Antikläden. Diese geographische Egalität führte dazu, dass ich schon bald nicht mehr wusste, ob wir in die richtige Richtung fuhren. Nachdem mein Engel den Durchblick behielt und uns sicher wieder in bekannte Gefilde führte, fühlten wir uns dann auch nach einem Tag so ortskundig, dass wir einfach drauflos fuhren. Klar, hier kommt gleich die Bank, bei der wir bei der Anreise Geld abgehoben hatten, da ist der Supermarkt, der sonntags geöffnet hat, da ist das Ferienhausbüro. Nachdem wir den Ort wie tags zuvor durchfahren hatten und eine Weile geradeaus gefahren waren erreichten wir Ortschaften, die uns beunruhigend unbekannt vorkamen. Nach dem dritten von ihnen beschlossen wir, umzukehren und mussten stillschweigend eingestehen, dass wir uns verfahren hatten.

Alles halb so wild, bis auf den Hunger hatten wir es ja nicht eilig und sechs bis acht Kilometer später entdeckten wir dann auch das Schild, an dem wir vorher hätten abbiegen müssen. Vermutlich stand vorhin ein Auto davor, so dass wir es nicht hatten sehen können…

Wieder im heimischen Ferienhaus kramten wir die Grillwurst und die Hühnerbrust aus dem Kühlschrank und schütteten ein Kohlentürmchen auf. Gefühlte drei Stunden später – der Mond hing mittlerweile rot-glühend über den Tannen – war das Fleisch dann genießbar und wir setzten uns gierig an den längst gedeckten Tisch. Als unser mörderischer Hunger dann gestillt war, testeten wir den Whirlpool. Für meinen Geschmack war er zwar etwas klein und ziemlich laut, aber gemütlich war’s…

Gemütlichkeit entstand auch, als wir vor dem Kamin saßen, in dem zwei Holzscheite vor sich hinglimmten… Erst als sie in sich zusammenfielen, merkte ich, dass ich eingeschlafen sein musste. Es war ein anstrengend-schöner Tag…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*