Es schneit einfach nicht

Ich blicke hinaus in die Dunkelheit der anbrechenden Nacht. Warme Heizungsluft steigt auf und wärmt mich, während es draußen sicher kalt ist. Ich erwarte den angekündigten Schnee. Aber es tut sich nichts. Kein Wind, kein Regen, kein Hagel… einfach nur kalte, dunkle Nacht im Land zwischen den Meeren.

Kalt war es heute früh auch schon. Nach dem Grippeanfall von gestern Abend erwachte ich heute gegen neun Uhr morgens. Ich schlug die Augen auf und stellte fest, dass ich beim Schlafengehen vergessen habe, das Bambusrollo herunterzulassen…

Von meinem Bett aus werfe ich bewegungslos einen Blick hinaus aus dem Fenster. Wunderschöner blauer Himmel empfängt mich – und Sonnenschein. Zögerlich bewege ich zunächst meinen Kopf hin und her… tut nicht weh. Ich hebe erst einen, dann den anderen Arm an… tut auch nicht weh. Ich schlucke – und als auch das keinen Schmerz auslöst, werde ich mutiger, schlage die Bettdecke beiseite und schwinge mich aus dem Bett. ‚Patsch’, meine Füße landen auf dem Boden. Ich stehe auf und gehe ein paar Schritte… allem Anschein nach geht es mir wieder gut. Beschwingt laufe ich zum Fenster und blicke lächelnd nach draußen. Es sieht kalt aus.

Meine müden Geister erwecke ich alsdann unter der Dusche. Ich mag eine ausgiebige Dusche am Morgen, die sämtliche Reste des Schlafes in den Ausguss spült und nichts als taufrischen Elan übrig lässt. Gerade, als ich mich abtrockne, fällt mir ein, dass ich wieder mal keine Butter im Haus habe, und auch das Brot wird nach dem Samstagsfrühstück weggefuttert sein. Ich ziehe mich also an, schlüpfe in meine Schuhe, meine Cardigan und meine Fellkragenjacke und setze meine weiße Mütze auf, krame ein wenig Kleingeld zusammen und fahre kurz darauf mit dem Aufzug ins Erdgeschoss. Ich werde von einem Nachbarn begrüßt und gehe zu Fuß zum nahegelegenen Penny-Markt. Die Wege sind noch vereist und glatt, dennoch herrscht bereits reger Verkehr zu dieser Zeit. Fünf Minuten später betrete ich den Laden, gehe vorbei am Orangensaft und den Konserven und halte kurz bei dem PC-Angebot an… Der soll 700 Euro kosten, aber ich hab grad nur 2 Euro dabei, gehe deshalb weiter und kaufe brav Brot und Butter. Flugs bin ich auch schon wieder draußen und gehe die vereisten Wege zurück nach Hause, steige in den Aufzug und fahre zu meinem Frühstück in den sechsten Stock.

Ich bin einigen Leuten noch eine eMail schuldig und setze mich an den PC. Drei eMails, drei mal zehn Minuten. Beim Blick auf meine Aquarien fasse ich mir ein Herz, stehe vom PC wieder auf und hole das Reinigungsmaterial… man kann in das kleine Becken kaum noch hineinsehen! Ich entferne alles, was da so drin rumliegt, also große Steine, Deko und die Pflanzen und Geräte. Ich befreie die Scheiben von dem grünen Algenbelag, tausche ein Drittel des Wassers und dekoriere dann neu. Wie immer beobachten meine Fische neugierig, was meine große Hand in ihrer kleinen Welt so alles anstellt und sind beleidigt, dass sie kein Futter dabei hat.

Für den Nachmittag hat sich meine Familie angekündigt. Ich vertreibe mir die Zeit bis dahin am PC und bemerke eine ganz liebe Postnachricht **freu**. Ich betrete das erste Mal den diary-Chat und treffe gleich nette Leute. Irgendwann rufe ich dann bei meinen Eltern an, denn sie sind längst überfällig. Ich hab meinen Dad am anderen Ende dran, und ohne dass ich viel sagen muss meint er: „Ach ja, also, wir kommen heute doch nicht…“ Macht ja nix, ich hab ja gern gewartet…

Ganz bewusst ignoriere ich die heutige Trauerfeier des Herrn Moshammer. Der ganze Rummel um seinen Tod geht mir reichlich auf den Keks. Ich mag es nicht, wenn prominentes Privatleben so wahnsinnig breitgetreten wird, und was hier gemacht wird, finde zum Teil schon abartig. Als ginge es die Öffentlichkeit etwas an, wie der Mann sein Sexleben gestaltet hat. Als läge es im öffentlichen Interesse, wie und wo er sich seine Partner ausgesucht hat. Wieso wird so etwas einfach veröffentlicht, wieso ist die ganze Mordermittlung so indiskret mit dem Leben des Mannes umgegangen?

Ich hab mir die Trauerfeier nicht angesehen. Ich kannte Herrn Moshammer zuwenig, um ihn zu mögen oder nicht zu mögen, und nur des Medienrummels wegen hat sich das nicht geändert!

Den heutigen Abend habe ich in lieber Gesellschaft ganz gemütlich mit Essen und Fernsehen verbracht. Nun ist auch dieser schon vorbei und um einen eigentlich nicht sonderlich aufregenden Tag habe ich doch wieder so viele Worte gemacht…

Und es schneit immer noch nicht. Was bleibt ist die Dunkelheit und die Frage, wieso ich nicht müde bin………..

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*