Erschossen – ersäuft – vergiftet – verbrannt

Das Jahr 2011 ist noch nicht einmal drei Monate alt und schon geht es als eines der schlimmsten in die Geschichte unserer Welt ein.

Da ist zum Beispiel die arabische Welt. Tunesien, Ägypten, Libyen. Der Norden Afrikas ist in Aufruhr, die Krönung der libysche Staatschef Gaddafi, der mit Kampfflugzeugen gegen sein eigenes Volk vorgeht – und sich dabei im Recht sieht.

Das Leid der Nordafrikaner wiegt schwer, da wird ein weiteres Gewicht in die Waagschale geworfen: Japan, Blüte des technologischen Fortschritts, wird von dem schwersten Erdbeben des Landes seit Beginn der Aufzeichnungen getroffen. Das Epizentrum liegt nur rund hundert Kilometer vor der japanischen Ostküste. Dem Hauptbeben folgt ein gewaltiger Tsunami, der weite Teile des Landes überflutet und ganze Städte mit sich reißt. Ein Mann wird später vom Dach seines Hauses gerettet, das nach der Flutwelle 15 Kilometer weit auf das Meer getrieben wurde.

Durch das Erdbeben werden mehrere Atomkraftwerke an Japans Ostküste schwer beschädigt. Trotz der Notabschaltung kommt es zu katastrophalen Ereignissen in Gestalt von Wasserstoffexplosionen und Kernschmelzen. Am heutigen Tag hat die japanische Regierung bestätigt, dass größere Mengen Radioaktivität in die Atmosphäre entweichen konnten. Zigtausend Menschen wurden rund um die betroffenen Nuklearanlagen evakuiert. Kurzzeitig drehte der Wind, der bis dahin in Richtung Meer wehte, und trieb die radioaktiven Teilchen damit quer über das japanische Festland und auf die Hauptstadt Tokio zu. Jenseits von Tokio wurde nun bereits erhöhte Radioaktivität gemessen.

Doch damit nicht genug. Im Süden des Landes bricht der Vulkan Shinmoedake aus. Er war nach 50 Jahren Ruhezeit erst im Januar wieder aktiv geworden und hat jetzt – vermutlich durch das Erdbeben beschleunigt – Lava und bis zu vier Kilometer hohe Aschewolken ausgespuckt. Die Menschen wurden aufgefordert, die Gegend rund um den Vulkan zu verlassen.

Stündlich gibt es neue Meldungen aus Japan. Aktuell versucht das Land noch, die Atomreaktoren unter Kontrolle zu bringen. Doch selbst die Regierung wird dem Chaos nicht mehr Herr, der japanische Regierungschef wird zitiert mit den Worten „Was zum Teufel ist hier los?“, als er erst aus dem Fernsehen von erneuten Explosionen im AKW Fukushima erfährt.
Auch wenn Japan über 9.000 Kilometer von Deutschland entfernt ist, sind die dortigen Ereignisse mehr als erschütternd. Die Menschen hierzulande sind betroffen und sehr erschrocken. Die Schrecken münden in massiven Protesten gegen die als sicher geltenden deutschen Atomkraftwerke, deren Laufzeit von der schwarz-gelben Bundesregierung erst vor wenigen Monaten verlängert wurde. Heute wurde diese Verlängerung für drei Monate ausgesetzt, um eine Sicherheitsüberprüfung vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus Japan zu ermöglichen. Offiziell soll nun geprüft werden, ob ein massives Versagen der Sicherheitseinrichtungen, wie augenblicklich in Japan, zu den gleichen verheerenden Folgen führen könnte.
Ob dahinter nicht nur eine Hinhaltetaktik zugunsten der anstehenden Landtagswahlen steckt, kann nur gemutmaßt werden. Wut und Angst jedenfalls sind groß. Und was das Thema Sicherheit von Atomkraftwerken betrifft, so galten auch die AKW in Japan bis zum 11. März 2011 als sicher – sogar für starke Erdbeben…

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