Erleuchtungen

Es ist reichlich spät geworden und ich bin ein wenig müde – ich hoffe man kann meine Schrift noch entziffern! Na so schlimm wird’s wohl nicht werden.

Ich hatte einen wirklich schönen Abend! Nach einem geschäftigen Vormittag und einem eher faulen Nachmittag habe ich meine Freundin U. um halb acht zu Hause abgeholt. Um acht Uhr sollte ja der Vortrag beginnen, von dem ich Dienstag geschrieben habe. Auf dem Weg in den „Kulturhof“ einigten wir uns darauf, möglichst ohne Erwartungen in die Veranstaltung zu gehen. Thema war „Buddhismus im Westen“ und natürlich hatte ich dennoch gewisse Vorstellungen, was ich dort erwarte.

Als wir den hübschen Veranstaltungsraum betraten standen da sechs kleine schwarze runde Tische mit jeweils drei Stühlen drumrum und kleinen Getränkefläschchen drauf. Alles war auffällig übersichtlich und familiär. Wir suchten uns einen Tisch aus und setzten uns zu einer Frau, die einen aufgeklärten und sympathischen Eindruck machte. Wir kamen auch gleich ins Gespräch über verschiedene Dinge bis der Vortrag begann.

Rednerin war eine Österreicherin mittleren Alters, die inzwischen in Kiel lebt. Sie war sehr fröhlich und wirkte entspannt, trug eine Art (künstlichen) Pelz auf den Schultern und spielte dauernd mit ihrem fülligen und langen Haar. Interessiert lauschte ich dem, was sie uns zu erzählen hatte, aber nach einer Weile hatte ich wirklich Schwierigkeiten ihr zu folgen… Ich begriff zwar, dass sie den Buddhismus verstanden und verinnerlicht hat, aber ihr Vortrag enthielt eine Menge Ausflüge in ihre ganz persönlichen Interpretationen und in Gleichnisse, die sich mir nicht so schnell erschlossen, wie sie es wohl hätten tun sollen. Zwischendurch erwähnte sie, dass wir im Anschluss an den Vortrag gemeinsam meditieren würden. Zunächst sträubte ich mich innerlich dagegen, hier mit fremden Leuten zu meditieren, aber dann sagte ich mir, dass ich hergekommen bin um meinen Horizont zu erweitern und entschied, vielleicht doch mitzumachen.

Die meisten der Zuhörer gehörten dem städtischen buddhistischen Zentrum an. Das hat mich eigentlich schon länger interessiert und ich hatte mit dem Gedanken gespielt, mich so etwas mal anzuschließen. Allerdings kann ich mit dem Buddhismus auf meine eigene Art und Weise am besten umgehen und möchte dafür nicht einer Gruppe beitreten, und der heutige Abend hat mich darin bestätigt. Der Vortrag enthielt nicht die Art von Information, die ich erhofft hatte. Er war vielmehr Werbung für den Buddhismus an sich und insbesondere für eine bestimmte Interpretation buddhistischer Lehren. Die Schwerpunkte deckten sich kaum mit meinen eigenen, mir wichtigen Schwerpunkten und wirklich neues habe ich heute nicht erfahren.

Eine Erfahrung der besonderen Art war dann die Meditation. Sie las langsam aus einem Buch vor, das Anweisungen enthielt, die nur schwer umzusetzen waren. Uns wurde diktiert, was wir uns vorstellen sollen und welche Wirkung das auf uns haben sollte. Mir fiel leider sowohl die Vorstellung schwer als auch die Wirkung, die logischerweise bei mir nicht eintrat. Als dann die Mitglieder des buddhistischen Zentrums (also die meisten der Anwesenden) auf einmal ein langgezogenes „oommmmmmmm“ und andere Laute von sich gaben war mir spätestens klar, dass ich nach der Meditation verschwinden würde.

Wenn auch von diesen Leuten der Buddhismus ganz anders gelebt wird als von mir und wenn der Abend bis dahin auch ganz anders verlaufen war, als ich es gedacht hatte, so hatte ich dennoch meinen Horizont etwas erweitern können. Ich habe mal etwas ganz anderes und durchaus außergewöhnliches gemacht. Und bei aller Offenheit für neue Dinge möchte ich einem buddhistischen Zentrum jetzt erstmal nicht beitreten. Ehrlich gesagt kam mir das ganze eher wie eine Selbsthilfegruppe vor. Weil der Buddhismus eine von mir gelebte Lebenseinstellung ist, wäre mir eine „Moderation“ meines Lebens – und ich habe das Gefühl, dass es das wäre – in so einer Gruppe unangenehm.

Nachdem U. und ich die Veranstaltung nach der Meditation (bei der ich mich nicht im Geringsten entspannen konnte) verlassen hatten, gingen wir ein wenig spazieren und tauschten uns aus. Sie hatte es ganz genauso erlebt wie ich und wir stimmten zu hundert Prozent überein. Aber die Erfahrung war es auf jeden Fall wert und wir belohnten uns anschließend mit einem Cocktail in der Innenstadt. Jetzt bin ich grad wieder zu Hause und werde langsam mal in mein Bett verschwinden – ohne „oommmm“ und dergleichen, aber mit der Gewissheit, einen durchaus interessanten Abend verlebt zu haben.

 

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