Endlich zweisam!

Musik: Nada Surf – Blonde on blonde

:: 3, 2, 1… meins!

Wo fange ich diesmal wieder an? Am besten am 29.08.2005 um 13:05 Uhr! Oder besser noch am 28.08.2005! An dem Tag eröffnete ich ein neues Profil in einem schwulen Webforum. Ich hatte eine Seite gefunden, die weit weniger oberflächlich und weniger auf Sex reduziert ist als die meisten anderen, die ich kenne. Am selben Tag noch erhielt ich eine Nachricht von Timmi. Timmi fand mein Profil interessant und „beklagte“ sich, dass ich wohl noch kein Gästebuch eingerichtet hätte, weil er so gern was hineinschreiben wollte. – Ach ich muss ein Gästebuch freischalten? – Also legte ich eines an und war überrascht und erfreut, dass ich gleich am nächsten Tag um 13:05 Uhr einen Eintrag hatte, aber nicht von Timmi sondern von Gerd! Es war ein ganz unverbindliches „Hallo“, weil sich Gerd am selben Tag wie ich in dem Forum angemeldet und bemerkt hatte, dass auch ich aus Schleswig-Holstein komme. Na und weil ich das „Hallo“ und sein Profil sehr nett fand, schrieb ich einen Gegeneintrag in sein Buch. Das war der Anstoß für viele Chats, die wir seitdem hatten. Es knisterte darin und wir waren uns auf Anhieb so sympathisch, dass wir beschlossen uns so schnell wie möglich zu treffen.

:: Gewerbegebiet, 14 Uhr

Unser erstes Date sollte am Samstag, 10. September 2005 um 14 Uhr stattfinden. Verabredet waren wir in einer hübschen Ostseestadt, ganz neutral, auf dem Parkplatz eines kleinen Industriegebietes. Zufällig hatte mich meine Mum zwei Tage vorher gebeten, Fotos von ihrem Wohnwagen auf dem Campingplatz in diesem Ort zu machen, und zwar vormittags! Ich sagte: „Klar! Das trifft sich hervorragend!“ und so fuhr ich schon morgens dorthin. Im Vorwege erzählte ich Gerd von meinem kleinen neongelben Auto und er nannte mir die Marke seines schwarzen Kleinwagens, damit wir schon mal ein erstes Erkennungszeichen hatten. Auf dem Weg durch die Ostseestadt kam mir dann auch gleich ein solches Fahrzeug entgegen und mein Puls beschleunigte sich! Ich konnte aber den Fahrer nicht erkennen. Bis ich beim Campingplatz eintraf begegneten mir allerdings noch zwei von diesen Autos und ich dachte mir, die scheint es hier häufiger zu geben…

Ich erreichte den Campingplatz, konnte auch bald die Fotos schießen und dann rückte der Zeitpunkt immer näher… ich war so aufgeregt!! Um zwanzig nach eins rief ich Gerd an und sagte, dass ich noch ca. 15 Minuten bräuchte bis zum Treffpunkt, und er wollte dann auch gleich losfahren, von wo auch immer. Ich fuhr also wieder über die große, dichtbefahrene Hauptstraße mit den vielen Ampeln und den vielen Autos, als mir irgendwann der schwarze Kleinwagen vor mir auffiel… Ich dachte mir nicht viel dabei, der Typ hinterm Steuer – zumindest das, was ich erahnen konnte… das schien nicht so sehr von den Fotos abzuweichen, die ich von ihm hatte… Ich fuhr weiter hinterher und dachte: Mal sehen wo er hinfährt! als mein Handy piepste und ich eine SMS von ihm erhielt: „Ich glaub ich seh Dich schon, …“. Am vereinbarten Kreisverkehr nahm er auch tatsächlich die dritte Ausfahrt ins Gewerbegebiet und ich fuhr einfach hinterher, bis er in einer Sackgasse anhielt. Mein Herz schlug wie wild! Er stieg aus, ich stieg aus. Mein erster Gedanke: Er ist echt!! Nach den Mogeleien der letzten Wochen war das meine größte Sorge gewesen. Er sah mich an und wir umarmten uns zur Begrüßung, waren beide etwas nervös. Schwatzend stiegen wir in mein Auto um, ließen seinen Wagen geparkt und fuhren nach seinen ortskundigen Anweisungen zum Ostsee-Strand. Es wehte ein kraftvoller und frischer Seewind an diesem sonnigen Tag, während wir durch weichen Sand und über große Steine stiegen, immer weiter und weiter, vorbei an windschiefen, bunten Holzhäusern, die direkt am Strand stehen, vorbei an einem alten Mann, der hinter einem Einkaufswagen mit vermutlich all seinen Habseligkeiten saß. Rechts von uns ragte die Steilküste hoch über die Ostsee und an einer Stelle konnten wir hinaufklettern. Von dort oben hatten wir einen tollen Blick hinunter auf die Bucht, in deren windgekräuseltem Wasser sich die Sonnenstrahlen spiegelten. Wir liefen nun oben entlang, durch Büsche und Sträucher folgten wir einem Trampelpfad entlang der schönen Aussicht, immer noch in Gespräche vertieft, bis wir irgendwann unsere Füße spürten und uns an den Rand der Klippe setzten, die Beine herunterbaumeln ließen und uns ausruhten.

:: Eiskaffee mit Seeblick

Den Rückweg traten wir direkt durch den Wald an, der bis an den Rand der Klippen führte. Auf dem Weg zurück zum Auto kamen wir an einem Café vorbei, und weil uns nach einer kleinen Stärkung war, machten wir Rast, setzten uns auf die Terrasse und hatten erneut einen wunderschönen Blick hinunter auf die Ostsee, während jeder von uns ein großes Glas Eiskaffee schlürfte. Ich rückte meinen Stuhl näher an Gerd heran und so konnten wir uns ungestört unterhalten, bis wir dann endgültig zurück zum Auto gingen.

:: Das Glück dieser Erde…

…liegt bekanntermaßen auf dem Rücken der Pferde. Und weil sich die Zeiger auf Gerds Armbanduhr behende der sechs näherten, wurde es für ihn Zeit, zwei seiner „Pflegepferde“ von der Weide zurück in den Stall zu bringen. Wir fuhren also mit seinem kleinen schwarzen Auto ein paar Orte weiter und hielten auf einem großen Gestüt. Hier war alles aufgeräumt und wunderschön angelegt, mit großen Stallgebäuden und holzumzäunten Trainingsplätzen für die Turnierpferde. Gerd führte mich zu einer der hinteren Weiden, wo zwei große Pferde grasten. Als sie unsere Schritte hörten hoben sie ihre wuchtigen Köpfe, erkannten Gerd und trabten zu uns an den Zaun, ließen sich tätscheln und artig an die „Leine“ nehmen.

Während wir zu viert den Weg von der Weide zu den Stallungen zurücklegten beäugten mich die großen Tiere misstrauisch. Weil nicht beide Pferde gleichzeitig durch die Stalltür passen, drückte mir Gerd kurzentschlossen die Leine des einen in die Hand und verschwand mit dem anderen im Stall. „Mein“ Pferd wartete zunächst geduldig, schaute mich dann fragend an und ging einfach hinterher… ich beschloss keinen Widerstand zu leisten und folgte brav an der Leine – immerhin war das Pferd hier der Fachmann… Es kannte den Weg in seinen Stall, lief hinein und bediente sich sogleich am frischen Futtertrog, als Gerd ihm das Zaumzeug (nennt man das so?) abnahm und von außen die Tür verriegelte.

Dann zeigte er mir auch den Rest des Hofes und führte mich ein wenig herum, ehe wir beschlossen, etwas essen zu gehen. Zur Auswahl standen in der schönen Stadt diverse Restaurants, von chinesisch über griechisch, deutsch oder italienisch oder haste nich gesehen… Chinesisch klang gut und Gerd empfahl mir ein Restaurant am Strand, das wir auch kurzerhand aufsuchten. Wir bekamen einen Tisch ganz hinten durch, Gerd setzte sich an die Wand und ich ihm gegenüber. Während er einen wundervollen Blick auf das Wasser hatte, genoss ich meinerseits die tolle Aussicht. Hinter mir saßen vier junge Leute – zwei Mädels, zwei Junx – die fröhlich lachend ein Geburtstagsessen zelebrierten.

:: Sushi, Ente und Virgin Coladas

Es war Buffet-Tag im chinesischen Restaurant, und weil wir beide das noch nie mitgemacht hatten, wollten wir das probieren. Nach dem Vorsüppchen kosteten wir allerlei Köstlichkeiten, von Fisch über Rind und Huhn bis hin zu Schwein, Ente und Truthahn, garniert mit Champignons, Gemüse, Reis und gebratenen Nudeln und diversen Saucen. Es war ein Fest, das wir mit einer bunten Dessert-Zusammenstellung abrundeten – im wahrsten Sinne des Wortes!! Wir waren also gut gesättigt, als wir bei hereingebrochener Dunkelheit zu einem erneuten Spaziergang aufbrachen, der uns am Hafen entlang führte, durch kleine liebevolle Gassen mit alten Häusern, vorbei an Bars, die zu dieser Stunde den meisten Umsatz machten. Bisher verlief der Tag und der Abend mehr als perfekt!

Nach dem reichhaltigen Essen schlug Gerd vor, in der Nähe eine Cocktailbar aufzusuchen – wieder am Strand! Das klang hervorragend und ich war natürlich gleich einverstanden, zumal ich Cocktails sowieso sehr gern mag! Es war gar nicht weit und wir gingen hinein. Tolle Atmosphäre, schöne Stimmung und viele Leute. Zu viele Leute, denn eine der Kellnerinnen erklärte uns, dass leider grad kein Tisch frei wäre. Also trollten wir uns zunächst wieder, liefen die Straße entlang und endlich, endlich! wagte ich es mal, Gerd in den Arm zu nehmen und einfach mal herzlich zu knuddeln! Dann legte er seinen Arm um mich und wir liefen bei nächster Gelegenheit runter zum Strand. Es wehte immer noch ziemlich kräftig vom Wasser her und in der Dunkelheit war die schäumende Gischt der Wellen zu sehen, die sich am Strand brachen. Ganz in der Nähe zum Strandaufgang standen Strandkörbe. Alle waren natürlich verschlossen, aber das hinderte uns nicht, zwei davon so zusammenzustellen, dass sie uns den kühlen Wind vom Halse hielten. Wir setzten uns dahinter in den Sand und kuschelten uns aneinander, ich legte meinen Kopf an Gerds Schulter und er legte seine Arme um mich. So umschlungen schauten wir in die Sterne am Nachthimmel, sahen stumme Blinklichter über uns fliegender Flugzeuge und hinter uns hörten wir das Rauschen des Meeres. Es war perfekt!

Später dann standen wir wieder auf, gingen den Aufgang hinauf und schütteten den Sand aus unseren Schuhen, bevor wir zur Cocktailbar gingen und einen freien Tisch fanden. Weil wir beide noch fahren mussten blieb es natürlich bei lecker-fruchtigen alkoholfreien Cocktails. Ich genoss seine Anwesenheit und seine Nähe, schaute ihm tief in die wunderschönen Augen und genoss einfach sein süßes Lächeln…

Dann gingen wir zurück zu unseren Strandkörben und kuschelten uns wieder aneinander, gaaaaanz lange – bis um zwei Uhr. Gerd musste dummerweise am Sonntag arbeiten und so taten wir gut daran, den Tag nun ausklingen zu lassen. Wieder leerten wir unsere Schuhe aus und gingen Hand in Hand zurück zu seinem Auto, mit dem er mich ins Gewerbegebiet zurückfuhr, wo mein gelber kleiner Wagen geduldig auf mich wartete. Mit einem Kuss verabschiedeten wir uns, ich musste ihm versprechen mich zu melden, wenn ich angekommen wäre und so beflügelt fuhr ich von der Ostküste zurück an meine Westküste. Was für ein wundervoller Tag!

:: Fortsetzung

Am Sonntag erwachte ich morgens um 07:28 Uhr durch das Vibrieren meines Handys, das sich seltsamerweise noch in meiner rechten Hand befand. Eine superliebe SMS sorgte dafür, dass der Tag mit einem breiten Lächeln und einem glücklichen Herzen begann! Elfeinhalb Stunden später konnte ich meinen Schatz dann auch schon wieder in die Arme schließen, denn nach der Arbeit hatten wir verabredet, dass er zu mir kommt – und über Nacht bleibt! Ich war ja soooooo happy! Als ich seinen Wagen ankommen sah stürmte ich die Treppen der sechs Stockwerke hinunter, lief auf ihn zu und umarmte ihn. Er war ebenso glücklich mich zu sehen und drückte mir noch auf dem Parkplatz einen Schmatzer auf!

Der Abend mit ihm wurde von der Nacht mit ihm noch übertroffen und irgendwann waren wir Arm in Arm eingeschlafen. Das nächste, was ich hörte, war mein Wecker am Montagmorgen und das nächste was ich spürte, war sein Guten-Morgen-Kuss. Ich schlug die Augen auf und er war tatsächlich noch da, ich war einfach nur selig! Zum Glück hatte ich den Wecker so gestellt, dass wir noch ein bisschen voneinander hatten, ehe wir um halb acht gemeinsam das Haus verließen, er zu seiner Arbeit fuhr und ich zu meiner schwebte.

Jetzt ist Mittwoch und dann trennt uns nur noch der Donnerstag und der Freitag, bis wir uns wiedersehen. Ich kann es kaum erwarten! Zum Glück beginnt am Samstag mein langgeplanter Lehrgang, der mich 26 Wochen lang jeden Samstag nach Kiel an die Ostküste führt.

Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung!

 

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