Die Reise ins Ich

An meinen letzten Eintrag anknüpfend kann ich heute berichten, dass mir die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin in der Marzipan-Innenstadt gesunde Ohren und ein unempfindliches Gleichgewicht bescheinigt hat. Die Tests und Untersuchungen dauerten zwei Stunden, in denen ich gelagert, durchgepustet und angepiepst wurde. „Alles in Ordnung,“ sagte die Ärztin zu mir, „das ist doch eine gute Nachricht.“ Natürlich hat sie recht, und trotzdem wäre es mir lieber gewesen, sie hätte etwas gefunden, irgendeine Kleinigkeit, die man schnell und einfach beheben könnte. Stattdessen sind meine Schwindelanfälle immer noch ungeklärt.

Am Donnerstag und Freitag durfte ich daher wie geplant beim Kardiologen vorsprechen, der mein Herz auf mögliche Schäden (wie zum Beispiel verformte Herzklappen) untersuchte. Am Donnerstag bekam ich nach einer kurzen Grunduntersuchung ein mobiles EKG-Gerät, dessen fünf Elektroden mir an den Oberkörper geklebt wurden. Fünf Kabel wurden an mir befestigt, die in das Messgerät führten, das mir mit einem schmalen Gurt umgehängt wurde. So verkabelt und verklebt sollte ich nun bis Freitagmittag bleiben. Die Nacht war dementsprechend unruhig, weil die Apparatur ständig im Weg war. Als ich das nächste Mal aufwachte, hatte ich einen mörderischen Krampf in der rechten Wade, der mehrere Minuten anhielt und meinen Puls vor Schmerzen ziemlich in die Höhe trieb. Diesen Wadenkrampf spüre ich immer noch. Ich habe dann versucht, mich nicht ganz so verkrampft hinzulegen und bin wieder eingeschlafen.

Der Freitag zeichnete sich durch einen kurzen Arbeitstag aus, denn schon am Mittag war ich wieder beim Kardiologen. Endlich sollten die blöden Kabel wieder abgenommen werden. Die gesammelten Daten werden in den nächsten Tagen ausgewertet. Gleich darauf sah ich beeindruckende Live-Bilder vom Inneren meines eigenen Herzens. Mit einem Ultraschallgerät untersuchte der Doc jeden Quadratmillimeter meiner Pumpe, und ich konnte alles mit ansehen. Die Prozedur war unheimlich anstrengend, weil man dafür auf der Seite liegen und den Oberkörper verdrehen muss und sich nicht bewegen darf, während der Arzt über einen gebeugt mit dem Ultraschallkopf auf der Brust herumfährt. Zwischendurch musste ich die Luft anhalten, weil ich mich gar nicht mehr bewegen durfte. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, wird die Luft schon ganz schön knapp und ich war anschließend ordentlich am japsen. Als das Echokardiogramm nach einer Viertelstunde (die sich wie eine halbe Stunde angefühlt hat) beendet war, war der Arzt mit dem Ergebnis zufrieden. Alles in Ordnung, keine Löcher, keine Verformungen, alles läuft rund.

Jetzt darf ich am nächsten Mittwoch wieder erscheinen, um mein Herz unter Belastung zu testen und das Ergebnis des Langzeit-EKG zu besprechen.

Ich habe ja 2005 schonmal ein EKG gemacht, das war aber viel, viel oberflächlicher. Am Mittwoch weiß ich dann also, ob mit meinem Herzen wirklich alles in Ordnung ist. Dann muss ich vermutlich weiter nach der Ursache für den Schwindel suchen. Die HNO-Ärztin fragte vor wenigen Tagen: „Ist schonmal eine Aufnahme von Ihrem Kopf gemacht worden…?“

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