Die Hochzeit meines besten Freundes

Jamie legt ein ganz schönes Tempo vor. Coming Out vor anderthalb Jahren, seinen Freund kennengelernt vor einem Jahr. Und jetzt ist er verheiratet. Manchmal passt es einfach.
Es war die erste Hochzeit eines schwulen Paares, auf die ich eingeladen war, und ich wollte sie um nichts auf der Welt versäumen. Ich kaufte mir einen blauen Anzug für den Anlass, weiße, sportliche Schuhe und eine feierliche Krawatte.Engelchen und ich fuhren zunächst zum Standesamt. „Schlossgefängnis“ hieß das, und in meiner Vorstellung würde die Trauung in einem feuchten Verlies mit schweren Ketten an den Wänden stattfinden. Das wäre zwar sehr bildhaft gewesen, aber man weiß ja nie. Tatsächlich war das Gefängnis natürlich längst außer Betrieb und inzwischen von einem Café bewohnt. Das Trauzimmer im Dachgeschoss beherbergte keine eisernen Ketten, sondern war liebevoll hergerichtet. Das einzige Fester an der Stirnseite stand offen und führte in den wunderschönen Hof. So wehte immerhin ein kleiner Lufthauch durch den Raum, der wegen der heißen Temperaturen einen schweißtreibenden Aufenthalt versprach. Stellt Euch jetzt die Titelmelodie von Alf vor, also ungefähr ‚dadadaaaa dadaadadadaaa daddaddadaaaa‘ – und so weiter. Jamie und sein Noch-Verlobter Dominic schritten zwischen den Gästen hindurch auf die Standesbeamtin zu. Es folgten die für diesen Anlass üblichen persönlichen Worte, die unweigerlich auf eine Frage hinauslaufen. Wollt Ihr?

Sie wollten. Alle beide. Da gab’s nichts zu rütteln, nichts zu deuten, kein „Vielleicht“ oder „mal sehen“. Einfach zwei ganz klare „Ja!“. Glückliches Paar, glückliche Standesbeamtin, glückliche Gäste.

Als wir uns im Hof wiederfanden, umringt von prächtigen Bäumen und einem großen Teich, labten wir uns an kalten Getränken und köstlichen Kleinigkeiten. Diese Stärkung brauchten wir, um bei der anschließenden Fotosession besonders gut auszusehen.

Zusammen mit Jan und Becky bezogen wir ein Sporthotel, auf halbem Weg zwischen Trauung und der sich anschließenden Feier. Nur kurz ausruhen, noch etwas zu trinken für die Nacht einkaufen und im Hotel-Restaurant eine Kleinigkeit essen.

Um die Eheschließung mit Familie und Freunden gebührend zu feiern, hatten sich Jamie und Dominic für einen Landgasthof entschieden. Der ziemlich hübsch herausgeputzt und die Gäste wurden auf Tische verteilt. Wir hatten einen Beste-Freunde-Tisch, den wir uns mit Jan und Becky und einem weiteren Paar nebst Nachwuchs teilten. Nachdem die beiden alle Tische vorgestellt hatten, wurde das Buffet eröffnet. Übrigens das beste Buffet, in das ich je meine Beißerchen schlagen durfte!

In den Stunden darauf wurde gelacht, getanzt, Torte verspeist und getrunken, bis wir uns zu viert ein Taxi teilen und ins Hotel fahren mussten.

Ich mag ja keine Hochzeitsfeiern, aber diese werde ich immer in guter Erinnerung behalten!

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