Der paddelige Donnerstag

Die ganze letzte Woche war ziemlich nass, womit sie sich in die Regenzeit einreiht, zu der dieser Sommer verkommen ist. Meine wichtigste Investition bestand damit auch in einem neuen Regenoutfit, das mich vor dem Regen schützen und gleichzeitig atmungsaktiv sein sollte, damit ich sowohl außen als auch innen trocken bleibe. Am vergangenen Donnerstag hat sich diese Investition auch gleich gelohnt, denn mit den Kolleginnen und Kollegen aus meinem Büro wagte ich mich trotz des Wetters auf den Fluss, der die Halbinsel umzingelt, auf der die Marzipanstadt vor Hunderten von Jahren gegründet wurde.

Am Nachmittag trafen wir uns also mit einem regionalen Kanuverleiher, der uns eine Kurzeinweisung ins Schippern und Paddeln gab. Zur Sicherheit durften wir alle knallorangene Schwimmwesten überziehen, bevor wir die beiden Boote zu Wasser ließen und die etwas wackelige Angelegenheit bestiegen. Auf Kommando stießen wir die Paddel auf Backbord und Steuerbord ins Wasser und setzten uns und das Kanu in Bewegung. Nach wenigen hundert Metern fing das ganze an, in Arbeit auszuarten und ganz schön anstrengend zu werden. Unser Bootsführer war offensichtlich ein kluger Mann und legte regelmäßige Pausen ein, die er nutzte, um uns mit Details zur Umgebung und seiner Geschichte zu füttern. Ich bin für solche Stadtgeschichten immer zu haben und sog die Informationen gierig auf, um sie meinen eigenen Kenntnissen über die Marzipanstadt hinzuzufügen. Nach und nach paddelten wir interessante Ecken an und hatten einen ungewohnten Blick auf die Ufer unserer Stadt, betrachteten die bekannten Brücken von ihrer Unterseite und lieferten uns ein Wettrennen mit ein paar Enten. Der Regen war die meiste Zeit gnädig, wenngleich er uns, die wir bestens für diesen Sommer ausgerüstet waren, ohnehin nichts anhaben konnten. Auf der Hälfte unserer Rundreise verließen wir die Kanus, um der Stadt ein paar Hinterhof-Geheimnisse zu entlocken. Immer noch mit Schwimmwesten bewehrt stiefelten wir durch enge Gänge, die uns hinter die Außenfassaden der uralten Häuser brachten. Die berühmten Ganghäuser, von denen immer noch einhundert existieren, verbergen eine Mikroidylle inmitten des Innenstadttrubels, die mich als mittlerweile Einheimischen kurzzeitig wie einen Touristen fühlen ließ.

Am Ende unserer achteinhalb Kilometer langen Tour wussten meine Arme, was sie in den letzten zwei Stunden geleistet hatten. Gemeinsam hievten wir die Boote wieder aus dem Wasser, verabschiedeten unseren Bootsführer und konnte es kaum erwarten, uns an den reservierten Tisch beim Italiener zu setzen, wo wir zwei weitere Stunden mit Schlemmen und Plaudern verbrachten, während draußen der Himmel seine Schleusen öffnete, als hätte er all das Wasser zurückhalten müssen, bis wir sicher um Trockenen angelangt waren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*