Der Jahresrückblick in über 1.000 Worten

365 Tage sind vergangen und haben 148 Tagebuch-Seiten gefüllt. Alles begann im Januar. Wie schon im Monat zuvor setzten sich meine Zahnarztbesuche fort und verschlangen eine ganze Menge Geld. Dafür waren meine Zähne hinterher wieder top in Schuss. Ebenso bissfest war unser erster Kinobesuch, bei dem wir uns vom Vampirfieber anstecken ließen. In den Wochen darauf verschlang ich die vier Romane, auf deren ersten der Film basiert.

Im Februar wurde ich Mitglied in einem Fitnessstudio. Seither trainiere ich mehr oder weniger regelmäßig ein bis drei Mal pro Woche. Im selben Monat besuchte ich mit meinem Engel eine Record-Release-Party in Hamburg. Oliver Rohrbeck stellte die neueste Episode der drei Fragezeichen vor, jener Hörspielserie, die meinem Freund allabendlich beim Einschlafen behilflich ist. Es war immer noch Februar, als ich meinen 32. Geburtstag feierte.

Als ich begann, mich mehr für die Marzipanstadt und ihre Bauprojekte zu interessieren, war der März bereits angebrochen. Ich nahm an einer Öffentlichkeitsbeteiligung zur Neubebauung der Wallhalbinsel teil. Im Internet hatte ich bereits spektakuläre Entwürfe und Studien entdeckt, die Großes versprachen. Auf der Veranstaltung wurde dann der Siegerentwurf vorgestellt, der so gar nicht spektakulär, ja nicht einmal interessant war. Große Enttäuschung. Dazu passte das Wetter, das sich im März nicht von seiner schönsten Seite zeigte.

Ganz anders im April, als der Frühling plötzlich Einzug hielt und den bepflanzten Balkon zu einer Blütenpracht antrieb. Engelchen und ich nutzten das schöne Wetter zu einer ausgiebigen Fotosafari in die benachbarte Hansestadt und – in der anderen Richtung – zum Plöner Schloss. Ungefähr zu der Zeit wurde auch mein jüngster Neffe Tyler-Alexander geboren, der Sohn eines meiner Brüder.

Nicht lange danach, nämlich im Mai, feierte die Familie meines Freundes die Konfirmation des Nesthäkchens, und wenige Tage später feierte ich das Erscheinen des jüngsten Star-Trek-Leinwand-Abenteuers. Den Ausklang des Wonnemonats bildete ein Silbermond-Konzert in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg.

Mitte Juni plagte mich ausdauerndes Unwohlsein, schnürte mir die Brust und ließ alles grau und trostlos erscheinen. Woran das lag, weiß ich bis heute nicht. Nicht einmal die Hörspielmesse in Hamburg konnte mich aufheitern. Erst gegen Ende des Monats, als wir mit Freunden einen ausflugreichen Tag an Elbe und Alster verbrachten, lichtete sich der Nebel um mich herum. Zu dieser Zeit war der Bau der Elbphilharmonie in der Hafencity schon gut vorangekommen, nicht mehr lange, und der Bau des gläsernen Aufsatzes kann beginnen.

Viel besser erging es mir im Juli. Ich hatte ein Buch entdeckt, das mich von Anfang bis Ende derart begeisterte, dass ich im Anschluss sofort den nächsten Band kaufen und lesen musste. Leider fehlt bis heute ein dritter Band, denn die Geschichte muss unbedingt weitergehen! Im selben Monat besuchte uns mein Bruder mit seiner Frau, seiner Tochter Julie und dem kleinen Tyler. Wie schon nach Julies Geburt streiften wir bei Sonnenschein durch die Marzipanstadt und verbrachten einen herrlichen Tag. Wenn nicht zu der Zeit das Leben meines jüngsten Bruders völlig aus der Bahn geraten wäre, wäre der Juli im Großen und Ganzen ganz OK gewesen. Ach ja, „Harry Potter und der Halbblutprinz“ empfing uns im Kino in der Innenstadt. Danach folgte eine lange Kino-Trockenphase, bei der es mehr an mangelnder Zeit als am Angebot lag. Und ich habe zum ersten Mal Golf gespielt, richtig in echt und auf Rasen. Das hat mir neben dem Sieg auch einen schmerzhaften Sonnenbrand eingebracht.

Im August wurde die ehemalige Professorenwohnung im Erdgeschoss von einer alleinerziehenden Frau mit zwei kleinen Kindern bezogen. Seither ist zeitweise mehr Leben im Haus, was nur manchmal und dann auch nur ein klein wenig nervt. Mit unseren Vermietern indes kamen wir nicht wirklich besser zurecht, und ich fühlte mich immer mehr wie ein Hausmeister-Azubi. Der August ist traditionell der CSD-Monat. Ich hatte mir fest vorgenommen, in diesem Jahr endlich wieder den Christopher-Street-Day in Hamburg zu besuchen, so wie früher. Aber wie schon in den Jahren zuvor musste mein Freund an dem Tag arbeiten. Und die Erfahrung, allein auf einem CSD unterwegs zu sein, habe ich vor Jahren schon gemacht und fand das nicht wiederholungswürdig. Hätte ich gewusst, dass zwei meiner Freunde ebenfalls dort waren, hätte ich den Tag jedoch nicht auf der roten Couch verbracht. Zum Ausgleich lief ich dann ein paar Tage später auf dem Marzipan-CSD mit, war davon aber eher enttäuscht, weil er mit den Hamburger Dimensionen natürlich nicht mithalten kann und sich die Stadt auch nicht unbedingt Mühe gibt, die Veranstaltung zu einem tollen Erlebnis zu machen. Nicht einmal für die bunte Parade wurden die Straßen gesperrt, geschweige denn geschmückt. Immer noch im August besuchten wir einen Freund aus Schultagen in der Stadt mit den Hochhäusern. Vor Jahren habe ich dort Silvester gefeiert, diesmal befeuerten wir statt Raketen und Wunderkerzen lieber den Grill auf dem riesigen Balkon. Am Ende des Monats verließen wir das Land und bezogen eines der hölzernen Ferienhäuser an der dänischen Nordseeküste. Der Urlaub war unglaublich ruhig und entspannend, wenn auch nicht so sommerlich, wie wir es gern gehabt hätten. Nach dem Ferienhaus hatten wir uns für zwei Nächte in Kopenhagen einquartiert, was der totale Gegensatz zum Ferienhaus war.

Am 09. September gaben sich zwei unserer Freunde das Ja-Wort und ließen sich zünftig feiern. Währenddessen hielt der Herbst Einzug und bemalte die Marzipanstadt in gelbroten Farben. Ich steckte derweil meine Nase in Bücher und fütterte mein anhaltendes Lese-Fieber.

Die Silberhochzeit meiner Eltern stand im Oktober auf dem Programm. Für ein heimliches Familienfoto trafen wir Kinder, die Enkelkinder und Partner im Garten meines Bruders. Nur wenige Tage später überreichten wir das Endergebnis unseren Eltern. Wiederum zünftig erlag ich diesmal den reichlich-geistlichen Genüssen und sorgte – so sagt man – für wenig geistreiche dafür aber reichhaltige Unterhaltung. Nur eine Woche nach der Silberhochzeit verabschiedeten wir meinen Bruder, den Soldaten. Er verließ uns und seine junge Familie für ein halbes Jahr, um auf Staatskosten in Afghanistan um ein bisschen Frieden zu kämpfen. Ich find das ja nicht gut. Viel friedlicher ging es da in einer Arena in Hamburg zu, wo Engelchen und ich einem Livehörspiel der drei Fragezeichen beiwohnten.

Anfang November wurden wir in der Marzipanstadt (und scheinbar nirgendwo sonst) von plötzlich einsetzendem Schneefall überrascht. Ein paar Tage später folgte ein Blitzlicht auf der Autobahn. Trotz 103 Stundenkilometern und dunkelster Nacht bin ich auf dem Foto gut zu erkennen, was der Verkehrssünderkartei einen ganzen Punkt wert ist. Zwei neue Arbeits-Outfits kosteten im selben Monat dann noch das Sechsfache des unvermeidlichen Bußgeldes.

Der letzte Monat kam dann sehr spätherbstlich und nass daher. Von diversen Weihnachtsmarkt-Besuchen mit Arbeitskollegen, Freunden und Familie ließen wir uns aber trotzdem nicht abhalten. Für Indoor-Entertainment war auch gesorgt, als Engelchen eine neue TV-Serie entdeckte. Noch bevor der Dezember zu Ende ging, hatten wir aber auch schon alle bis dahin verfügbaren Episoden verschlungen. Für die Firma machte ich mich auf in die Landeshauptstadt, um in der Akademie zwei Tage lang zu seminieren, ehe die weißen Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel für allgemein kurze Arbeitswochen sorgten.

Insgesamt war 2009 für mich ein gutes Jahr. Ich habe 21 Bücher mit insgesamt 8.681 Seiten gelesen. Die böse Schweinegrippe ist bisher an mir vorüber gegangen (obwohl ich mich nicht habe impfen lassen). Die Finanzkrise ist zwar nicht spurlos an mir vorübergegangen, hat mir aber bisher mehr Vor- als Nachteile eingebracht und Michael Jackson ist natürlich nicht wirklich tot, er ist heimgekehrt – wie Elvis vor ihm.

 

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