Der erste Regentag

An unserem dritten Tag hat sich die Sonne verabschiedet – laut Wetterbericht für den Rest unseres Aufenthaltes. Aber das macht nichts, denn das wussten wir vorher und haben uns entsprechend ausgerüstet.

Die Holzplanken der Terrasse glänzen vom Regen, der über Nacht gefallen ist, und es sieht nach weiteren Schauern aus. Das Strand- und Leuchtturm-Programm haben wir gestern schon „erledigt“ und so decken wir heute erst einmal ganz in Ruhe den Frühstückstisch im Esszimmer. Frisches Brot, dänische Marmelade und Frühstückseier. Das Radio übergießt uns mit einem unverständlichen Wortschwall, aus dem wir manchmal Worte heraushören wie „Herning“, „Kopenhagen“ und „Null zu Null“. Während wir schmatzend den Tag beginnen, besuchen uns auf der Terrasse kleine Meisen und Schwalben, die gern ihre Nester unter dem Dachvor-sprung zurückhätten.

Nach dem Frühstück schneiden wir die Preisschilder von unseren neuen Gummistiefeln, beladen das Auto mit unseren Ausflugsplänen und erklären dem Navi, wohin es uns bringen soll. Esbjerg ist das Ziel für den heutigen Montag. Erste Station: der Bahnhof. Als wir vor zwei Jahren dort waren, war die Stadt leer und langweilig, weil Sonntag war.

Sicher steuern wir durch den Stadtverkehr, tanken etwas ungeschickt an einer automatischen Tankstelle und passieren bald darauf den hübschen Bahnhof. Bei der Parkplatzsuche ist uns das Navi nicht gerade behilflich, aber das schaffen wir auch so. Wir stellen den montebello-blauen Wagen in der Englandsgade ab, ehe wir uns ohne Regenzeug zu Fuß auf den Weg machen. Wir entdecken die Fußgängerzone mit Deichmann, zizzi & Co., verlieren bald die Richtung und kramen das Navigationsgerät aus der Tasche. Mithilfe der GPS-Antenne finden wir schnell den richtigen Weg zum Bahnhof und stellen fest, dass wir ziemlich weit in die falsche Richtung gelaufen sind. Das kleine, praktische Gerät führt uns am Hafen vorbei. Es stürmt hier ganz enorm und ich ziehe meinen Cordhut etwas fester über mein aufwändig gestyltes Haar. Nach nur zwei Kilometern entdecken wir den Bahnhof. Wir öffnen die Holztür, halten die Kamera bereit – und finden eine erstaunlich kleine Bahnhofshalle mit einer immerhin schönen Decke. Auch der Bahnsteig ist alles andere als einladend. Ein dänischer Zug wartet geduldig, bis alle Fahrgäste eingestiegen sind und setzt sich dann quietschend in Bewegung

Im Grunde ist Esbjerg heute nicht viel sehenswerter als an bewusstem Sonntag vor zwei Jahren. Dänische Kleinstädte haben nicht mehr Charme, als deutsche, und so fahren wir wieder. In Nørre Nebel machen wir Halt, um ein paar Einkäufe zu erledigen und eine Form für Engelchens Geburtstagskuchen zu kaufen. Kurz darauf entladen wir den Wagen vor dem Ferienhaus gerade rechtzeitig vor dem nächsten Regenguss.

Das war erstaunlich anstrengend. Nachdem die Einkäufe verstaut sind werfen wir uns aufs Bett, um etwas zu entspannen. Draußen rüttelt der Sturm an unserem Häuschen und der Regen fließt geräuschvoll am Dach über uns herunter.

 

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