Der Dönerteller

:: Sonntagsbrötchen

Ich weiß, es ist schon Montag, aber gestern war ein ganz netter Tag. Ich hatte um kurz nach acht Uhr schon ausgeschlafen. Durch die offene Schlafzimmertür konnte ich sehen, wie die junge Sonne meinen Flur mit Licht flutete und draußen vor dem Fenster zogen viele kleine und große schwere Wolken unter dem blauen Himmel entlang. Ich rollte meine Bettdecke beiseite und schwang mich aus den Federn, reckte und streckte mich und lief mit nackten Füßen über den Flur ins gegenüberliegende Bad. Ich hatte die Rasur am Samstag unter den Tisch fallen lassen und bei meinem starken Bartwuchs blickte mich nun ein Yeti mit kleinen Augen aus dem Spiegel an. Also ab mit den Gesichtszotteln! Dann fix unter die Dusche und den restlichen Schlaf abgespült!
Behende und gut gelaunt stolzierte ich dann in die Innenstadt. Sonntagmorgens sind nur wirklich wenig Menschen unterwegs, es war still – abgesehen von Vogelgezwitscher – und nach wie vor sonnig. Als ich um die Ecke zum Zentrum bog fiel mir ein roter Peugeot auf, der ein paar Autos weiter stand. Sah aus wie der Wagen von meinem ersten Ex-Freund Nate. Und er sah dann nicht nur so aus, er war es. Aber von Nate war nichts zu sehen. Ich ging dran vorbei und über den Zebrastreifen zum Bäcker. Beim Bäcker war dann wieder richtig Betrieb und brav stellte ich mich in die Schlange um meine zwei Brötchen zu kaufen. Auf dem Weg zurück nach Hause mit meiner gelbroten Brötchentüte und meinem ergatterten Mohnzopf stand der Wagen immer noch am Straßenrand. Ich dachte mir nichts weiter dabei und genoss zu Hause ein ruhiges Frühstück. Dabei dachte ich darüber nach, dass Nate mich eventuell besuchen kommt, wenn er doch schon in meiner Stadt ist, und ich beschloss, nach dem Frühstück schnell etwas aufzuräumen.

Aber Nate kam nicht. Nachmittags war ich dann nach ziemlich langer Zeit mal wieder bei meiner Family. War wirklich schön, ich hab mich wohl gefühlt und meine Schwester war mit ihrem Verlobten auch dort. Ich war erst abends wieder zu Hause und hab dann nicht mehr wirklich viel angestellt.

:: Nate

In den letzten Tagen habe ich erstaunlich viel an ihn gedacht und heute Abend klingelte dann mein Telefon. Ich war grad von der Arbeit zu Hause und am anderen Ende der Telefonschnur erklang Nates Stimme. Es war einfach ein netter „wie-geht’s-Dir-Anruf“ über den ich mich sehr gefreut hatte. Wir hatten ziemlich viel zu bequatschen, weil wir uns auch schon eine Weile nicht gesehen haben. Am Ende verabredeten wir uns für Freitag zum Essen. Währenddessen überlegte ich angestrengt, was ich heute Abend würde essen können. Meine eigene Küche gab nichts mehr her und ich entschied mich für Currywurst / Pommes vom Imbiss am Markt. Nate schlug mir einen Döner vor. Zehn Minuten später stand ich mit einem frischen Fünf-Euro-Schein aus dem Geldautomaten vor der Tür des ehemaligen Imbiss am Markt – und konnte nicht glauben, dass der dicht gemacht hatte! Nicht nur, dass ich grad nicht wusste, wo ich jetzt Currywurst-Pommes herbekommen sollte, nein der Laden liegt auch noch direkt neben meiner Arbeit und ich hatte nichts mitbekommen!

Zum Glück hat der Dönermann sein Geschäft gleich eine Straßenecke weiter und ich bestellte mir einen leckeren Dönerteller zum Mitnehmen. Auf dem Weg zurück nach Hause kam ich am Markt an dem ehemaligen Kindermodengeschäft vorbei, das vor ein paar Wochen den Betrieb eingestellt hatte. Der Laden lag zwei Häuser in der anderen Richtung neben meiner Firma und das hatte ich sogar mitbekommen. Jetzt ratet mal, welcher Laden da drin neu aufgemacht hat! Der Imbiss am Markt!! Ich musste laut lachen als ich daran vorbeifuhr, meinen Dönerteller neben mir auf dem Autositz!

:: Döner am Telefon?

Zu Hause packte ich den Dönerteller aus der Plastiktüte aus, holte eine Gabel mit blauem Kunststoffgriff aus der Besteckschublade und klappte die Isolierverpackung auf. Herrliche Portion! Und dann klingelte das Telefon. Ich dachte mir, das ist bestimmt U., der ich vorhin eine SMS geschickt hatte. Ich klappte also den Deckel von meinem Abendessen wieder zu und ging ans Telefon. Es war nicht U., es war Holger. Wir hatten schon fast ein halbes Jahr nicht miteinander gesprochen (er wohnt weiter weg) und unsere Telefonate sind regelmäßig sehr ausgeprägt, weil wir uns meistens viel zu erzählen haben. Höflich, wie er ist, fragt er mich als erstes ob ich denn auch Zeit zum Telefonieren hätte. Mir ging durch den Kopf, dass ich sagen könnte ich rufe nach dem Essen wieder an. Fand ich aber blöd. Dann dachte ich, ich könnte ja den Dönerteller mit zum Telefon nehmen… beim Telefonieren essen fand ich aber auch blöd…. Also dachte ich: „Lacarian“ dachte ich „vergiss das Essen!“. Ich freute mich sehr über den Anruf, denn ich oller Telefonmuffel bekomm es sowieso nie hin mal anzurufen. Und so machte ich es mir um halb acht auf dem Sessel vor dem großen Aquarium bequem und plauderte mit Holger, und hörte ihm zu und plauderte wieder. Langsam ging die Sonne unter, die Fische neben mir fanden mich schon längst nicht mehr interessant und bald wurde es dunkel. Und Holger und Lacarian waren immer noch am quatschen. Bis um kurz nach halb zehn. Ich war schon weit in den Sessel eingesunken, als ich den dunkelblauen Telefonhörer auflegte und mir überlegte, ob ich das Essen noch verspeisen sollte oder nicht. Einerseits war es für so eine deftige Mahlzeit schon ziemlich spät, andererseits knurrte mir wirklich der Magen.
Natürlich hat der Magen gesiegt und während ich hier tippe leert sich der mikrogewellte Dönerteller.

Und so werde ich vermutlich mit dem vollen Magen kaum gut schlafen können, allen anderen aber wünsche ich eine entspannte Nacht!

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