Denken

Es fällt mir so schwer, ihm nicht tausend eMails oder SMS zu schreiben, es fällt mir schwer, nicht mit ihm zu telefonieren, es fällt mir schwer, ihn nicht zu sehen.

Mir gehen heute so viele Gedanken durch den Kopf. Ich denke an unseren ersten Tag auf den Klippen, an die stürmische Nacht hinter den Strandkörben, an den ersten gemeinsamen Ausritt oder den ersten Saunabesuch. Ich denke an seine Familie, die ich nun wohl verloren habe. Das macht mich traurig. Ich denke an Spanien und daran, dass er der erste Mensch ist, mit dem ich ohne Zögern in ein Flugzeug gestiegen wäre. Ich denke an die Reitveranstaltungen, die wir zusammen besucht haben. An die Pferde auf dem Gestüt. Ich denke an so vieles. Die Filme, die wir uns angesehen haben. Er war einmal beinahe enttäuscht, als ich keine „Jungsfilme“ mehr hatte, wie er es nennt. Ich denke an seine beiden Zimmer, die vielen Photos aus Spanien, die er mir gezeigt hatte und an sein dreieckiges Kissen. Ich denke an die Cocktailbar, die wir am ersten Abend besucht hatten – und am letzten auch. Ich denke an die Sitzbank im Garten seiner Mum. Wir haben sie aus einem großen Holzbalken vor die Lagerfeuerstelle gebaut. Ich denke an die Umzäunung für seine Ponys. Ich denke an ausgedehnte Waldspaziergänge und an die Frau, die traurig auf den Steinen am kalten Waldbach saß. Ich denke an IKEA und an lange Autofahrten und an den Tag, an dem er mich zum ersten mal an der Akademie abholte. Ich denke an all die Dinge, die ich noch nicht von ihm kenne und die vielen Dinge, die er noch nicht von mir kennt.

Ich bin so traurig. Ich sollte weniger denken. Ich habe gerade Urlaub. Eigentlich war er dafür gedacht den Lernstoff aufzuholen, aber mir gehen so viele andere Dinge durch den Kopf. Ich wünschte, wir könnten miteinander reden.

 

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