Das zerbrochene Fenster

Wer Fan von viel Filmblut ist, schnulzige Musical-Lovesongs liebt, Johnny Depp nicht widerstehen kann und die düsteren und meist farblosen Filme von Tim Burton mag, für den ist „Sweeney Todd“ sicher ein unterhaltsamer Film. Zu dem Schluss kam ich gestern Abend, als ich mit meinem Engel aus dem städtischen Kino kam. Ich hingegen hätte mir die zehn Euro sparen sollen. Auf dem Weg zurück zu meinem kleinen, neongelben Auto zählte ich auf, was mir alles nicht gefallen hat. Am Wagen angekommen blickte ich durch das hintere rechte Fenster in den Innenraum – blöd, dass keine Fensterscheibe mehr drin war! „Scheiße!“ rief ich, als ich die eingeschlagene Scheibe begutachtete. Glassplitter bedeckten die Rückbank im Schein der Straßenlaterne wie Diamanten und die leere Pappschachtel, die vorher noch unter dem Beifahrersitz gelegen hatte, lag immer noch leer auf dem Sitz. Was nun? Notruf wär vielleicht etwas übertrieben. Die Telefonnummer der Polizeiwache hatte ich nicht, also fuhren wir direkt dorthin. Die Reste der zertrümmerten Scheibe rieselten bei jeder Unebenheit der Fahrbahn geräuschvoll herunter in den rückwärtigen Innenraum und kalter Wind zog herein. Zum Glück war es trocken!

Eine freundliche Polizei-Obermeisterin nahm meine Anzeige entgegen. Sie sagte, es wäre schon der vierte Auto-Einbruch in dieser Nacht. Da ich mich von so etwas in der Regel nicht aus der Ruhe bringen lasse, war ich – zumindest äußerlich – ganz entspannt. Immerhin bin ich versichert. Die Polizistin sah sich den Schaden an und konfiszierte die Pappschachtel zur Untersuchung auf Fingerabdrücke. Es dauerte dann eine Weile, bis die Formulare ausgefüllt waren. Ich durfte mein Autogramm drunter setzen und dann konnten wir nach Hause. Ich entfernte die Reste der zersplitterten Scheibe, damit sie nicht auf die Straße fielen. Zu Hause klebten wir das Fenster dann mit Pappe und Folie ab, um den Innenraum gegen Regen und Tiere zu schützen.

Heute früh war Engelchen mit dem Patienten in der Werkstatt und mittlerweile ist der Wagen wieder heil. Der Schaden beträgt 150 Tacken – wie schön, das ist genau der Betrag meiner Selbstbeteiligung. Ich darf also alles komplett selber zahlen! Danke sehr! Und nur, weil ein paar hirnlose Schwachmaten eine leere Pappschachtel stehlen wollten! Ich könnte jemandem die Finger brechen, denn von der Lauferei abgesehen kann ich im Moment auf 150 Euro nicht verzichten.

Ein nicht sehr gelungener Abend. Da bleib ich doch heute einfach zu Hause.

 

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