Bauchgefühl

Wenn die Geburtstagsparty des Ex-Freundes Deines Freundes ansteht, so kann das durchaus zu Kopfschmerzen führen…

Als ich gestern am frühen Abend auf dem Bett lag, um ein kleinwenig vorzuschlafen – man bedenke, ich habe die Zwanziger vor vier Wochen verlassen! – pochte ein hämmernder Schmerz hinter der rechten Schläfe und nach einem ewigen Hin und Her verkündete ich zerknirscht und mit schlechtem Gewissen, dass ich wohl besser zu Hause bleiben sollte. Das gefiel meinem Hasen überhaupt nicht und fast wortlos warf er mir den Fehdehandschuh vor die Füße, den ich verärgert aufhob! Ich schob die Kopfschmerzen beiseite und kurz darauf traten wir in die Kälte der klaren Nacht. Die Windschutzscheiben der parkenden Autos waren beschlagen und würden sicher noch gefrieren.

Es war nicht weit, Mz wohnt mit seinem Freund nur einige Häuser entfernt. Wortlos liefen wir die stumpfe, knarzende Holztreppe die zwei Stockwerke durch das gelbe Treppenhaus hinauf. An der Wohnungstür begrüßte uns zuerst der Golden Retriever. Ein goldiges Kerlchen! Die Party war schon in vollem Gange, wir waren etwas spät dran. Weil ich mich über meinen Hasen geärgert hatte und mit Kopfschmerzen auf die Party gegangen war nahm ich mir vor, mich heute so richtig zu betrinken. Da kommt das Kind im Manne wieder durch… Das Buffet war zum Glück noch sehr reichhaltig. Wir labten uns an Kasseler, Hackbällchen und Salaten und legten damit eine ordentliche Grundlage. Vom Essen besänftigt war ich schon sehr bald überhaupt nicht mehr sauer und hielt in der Rechten meines Liebsten Hand und in der Linken das erste Bier.

Ich trinke fast nie, und wenn, dann nur wenige Dinge, weil ich das meiste nicht mag (was aus mehreren frühen Erfahrungen mit dem einen oder anderen Getränk hervorgeht). Im Gepäck hatte ich eine Flasche Sambuca, nichts geht über Sambuca! Nach dem Bier und ein paar Sauren hielt ich den Sambuca dann auch für kalt genug und teilte mit Söhnke. Herrlich! Das geht runter wie nichts! Nach ein paar davon und ein wenig mehr Sauren ging es mir ziemlich gut. Kopfschmerzen? Vielleicht morgen früh… Zwischendurch gab es dann noch ein paar Brotstücke, sicher ist sicher. Auch mein Hase war schon ziemlich doon.

So gut gelaunt verflog die Zeit bis ich plötzlich sehr müde wurde. Ich hatte meinen Engel auf dem Schoß und merkte deutlich, dass ich nichts mehr trinken durfte. Kurz darauf verabschiedete ich mich und wankte zufrieden nach Hause. Die Kälte konnte mir nichts mehr anhaben und ein Glück für mich, dass an der Auffahrt zu unserem Heim die Hausnummer vorn an der Straße steht…

Als mein Schatz viel viel später zu mir unter die Bettdecke krabbelte erinnerte ich mich nur daran, dass ich vorhin ins Bett geplumpst war. Augenblicklich waren wir lallend in ein munteres Gespräch vertieft, an dessen Inhalt ich mich längst nicht mehr erinnern kann. Dann schliefen wir aneinandergekuschelt ein.

Die Kopfschmerzen blieben heute aus – jedenfalls bei mir. Meinem Hasen ging es gar nicht gut. Und dass er nachmittags arbeiten musste machte es nicht wirklich besser. Zum Glück gelang es ihm, seinen Dienstbeginn etwas nach hinten zu verschieben. Jetzt sitze ich im Schein meiner alten Schreibtischlampe bei einer heißen Pizza und warte auf seinen Feierabend. Noch eine Stunde. Und morgen beginnt meine neue Arbeitswoche.

 

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