Aussichten

:: tarzan, garfield und finding forrester

gestern war es also so weit: das ersehnte erste treffen nach unseren ausgiebigen chatgesprächen. mit fortschreitender tageszeit wurde ich immer ein stückchen aufgeregter. nicht übermäßig, aber so ein kribbeln schien sich von der magengegend bis zu den haarspitzen zu bewegen. ich habe sehr pünktlich feierabend gemacht. zu hause bin ich unter die dusche gehüpft, hab meine klamotten gebügelt, meine haare gestylt und dann war ich soweit. viertel nach fünf.

18 uhr hatten wir ausgemacht, und ich hatte noch ein klein wenig zeit, muss ja nur knapp 20 minuten fahren. unkonzentriert wagte ich noch einen streifzug durchs netz, hatte die uhr fest im blick und war froh, als ich endlich losfahren konnte. ich prägte mir die wegbeschreibung ein, griff nach dem rotwein und fuhr mit dem aufzug ins erdgeschoss, lief zu meinem kleinen auto und fuhr in die stadt mit den hochhäusern.

es ging sehr schnell. schon nach kurzer zeit waren die zwanzig minuten um und damit sämtliche schonzeit bis zum zusammentreffen. nach einmal falsch abbiegen stand ich am vereinbarten treffpunkt am ende einer sackgasse, zückte mein handy und rief ihn an. er verstand kein wort, die verbindung war grottenschlecht, trotz (oder wegen?) des sendemastes, der nur ein stückchen weiter stand. weil es knapp vor 18 uhr war, hatte er jedoch verstanden und keine zwei minuten später kam er auf mich zu. jetzt war ich so aufgeregt, dass ich meine umgebung kaum mehr wahrnahm und mein blick nur noch zwischen ihm und meinem gelben auto hin und her huschte. das licht um mich herum begann zu rauschen, ich hätte genauso gut auf dem gipfel eines berges stehen können. umständlich kramte ich meine tasche aus dem wagen, stand in der wagentür und rief ihm ein „hallo“ entgegen. er näherte sich immer noch und die ersten gedanken kehrten zurück: er ist sehr attraktiv! als er mich erreichte umarmten wir uns freundschaftlich und begannen sogleich mit einem kurzen gespräch über handys und sendemasten, während ich meine hosen- und jackentaschen nach meinem wagenschlüssel absuchte. ich war mir sicher, ihn mitgenommen zu haben und entdeckte den schlingel, wie er schweigend im zündschloss steckte, wo ich ihn zurückgelassen hatte.

mit jedem schritt, den wir gemeinsam auf sein haus zumachten, ließ ich ein wenig von der übermäßigen aufregung zurück. wir plauderten über die gegend, die gebäude, die nachbarn, über alles mögliche. als er die tür aufschloss hörte ich drinnen musik und einer seiner beiden kater kam mir entgegen. groß und flauschig und neugierig… ich hockte mich zu ihm runter und strich sanft über sein weiches fell. der kater beschnupperte mich und beschloss, dass ich mit dem streicheln fortfahren dürfte. ich legte meinen cordhut auf einen kleinen tisch, parkte meinen schlüssel darauf und zog jacke und schuhe aus. es ist ein wirklich schönes haus, auch wenn ich noch nicht mehr als den flur gesehen hatte. ein zweiter kater kam mir entgegen. dieser hatte fast orangefarbenes fell und ich wusste, dass er garfield heißt.

wir setzten uns zunächst in sein wohnzimmer. es war groß und übersichtlich, dezent dekoriert, sehr hell und durch die fensterfront konnte ich einen kleinen, grünen garten sehen. die wand gegenüber seiner couch war frei, nur ein flacher schrank stand daran. wir unterhielten uns eine ganze weile, kraulten seine schnurrenden kater und einigten uns schnell auf ein abendessen. für den einkauf der zutaten fuhren wir zwei läden in der nähe an und begannen einen gemütlichen freitag-abend-einkauf. wenn auch das gemüse nicht wirklich frisch war bekamen wir doch alles, was wir brauchten.

in der küche konnten wir während des gemüseschneidens unsere gespräche fortsetzen. es war gut, dabei etwas zu tun zu haben, pausen kann man dadurch wunderbar überbrücken, auch wenn ich mit gesprächspausen kein problem habe, solange sie nicht am telefon stattfinden.

nach dem leckeren – und letztlich sehr gesprächreichen essen, machten wir es uns mit unseren weingläsern wieder zwischen den katern auf der couch bequem, während an die leere wand gegenüber musikvideos projiziert wurden. coole sache!

den vorschlag zu einem verdauungsspaziergang nahm ich gern an und so wanderten wir um einen see herum, der in dieser wunderschönen gegend gleich um die ecke lag. es dämmerte ganz allmählich und unter den bäumen am wasser wurde es fast dunkel. wir liefen vorbei an kleinen stegen, die im wasser lagen. auf einem von ihnen schwieg ein angler vor sich hin und behielt seine rute im blick. wir liefen weiter über den sandigen weg, umrundeten das gewässer und machten einen weiteren schlenker, ehe wir zum haus zurückkehrten.

ich glaube, wir haben uns über eine ganze anzahl von themen unterhalten. ich hoffe, ich habe nicht zu viel gequasselt. später am abend entschieden wir, uns einen film anzusehen. unser ähnlicher film- und schauspielergeschmack kam uns dabei sehr zu hilfe und aus seiner wirklich umfangreichen sammlung wählten wir „finding forrester“. ich kannte den film noch nicht und ich mag matt damon und sean connery. es war nur das englische original da, aber das machte nichts. es ist ein wirklich sehr sehr schöner film, kurzweilig und fesselnd. kater tarzan fand das wohl eher nicht, denn er war zwischen uns eingeschlafen, streckte alle viere von sich und zuckte von zeit zu zeit im schlaf. während die story voranschritt wunderten wir uns, dass matt damon nicht mitzuspielen schien und kamen zu dem schluss, dass die filmdatenbank ihn deshalb ausgespuckt hatte, weil der regisseur von „finding forrester“ auch der regisseur von „good will hunting“ war. am ende hatte damon dann aber doch eine kleine rolle, es war wie ein bonbon, das gereicht wurde und ein „ahaaaaaa“-effekt.

es war natürlich längst stockfinster draußen. nach dem film machten wir uns über die spätsendungen im tv lustig, schalteten durch lächerlich dubiose seelsorge- und astrologie-shows, blieben mal hier und mal dort hängen und ich war mir nicht sicher, ob ich nun gehen sollte oder nicht. einerseits fand ich seine gesellschaft sehr angenehm, andererseits wollte ich nicht einer dieser unhöflichen gäste sein, die nicht wissen, wann es zeit für „gute nacht“ ist. ich weiß nicht, ob ich die kurve gekriegt habe, um zwei uhr war ich zu hause.

ich bin leider nicht in der lage, ein fazit aus dem abend zu ziehen – oder ist das vielleicht gut so? was ich weiß ist, dass es mir sehr gefallen hat und ich gern darauf aufbauen würde. welchen eindruck ich nun bei ihm hinterlassen habe, kann ich allerdings nicht einschätzen.

 

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