Arbeitsbeschaffung

Nach dem Bewerbungsgespräch vom letzten Donnerstag wurde die Entscheidung über die Stellenvergabe zunächst verschoben. Anscheinend gibt es zwei gleichstarke Bewerber, so dass sich die Herren Chefs noch etwas Bedenkzeit herausnehmen. Von mir aus… Währenddessen scheine ich diejenigen Arbeiten zu erledigen, die sonst keiner haben will. Belege durchwühlen und Ungereimtheiten feststellen – am besten so, dass am Ende alles stimmt.

Ehrlich, ich steh auf buchhalterische Ordnung, aber das Datenmaterial, das ich an die Hand bekomme, ist derart durcheinander und unübersichtlich, dass ich da wirklich nicht durchsteige. Zahllose Kürzel, die mir weniger als überhaupt nichts sagen, Zahlen, die nicht herzuleiten sind, diverse Korrekturbuchungen innerhalb diverser Fälle – ein hoffnungsloses Hin und Her. Die Dame, die das in der Fachabteilung „verzapft“ hat, macht das erst seit einem Jahr, deshalb hätten sich die ganzen Korrekturen ergeben und jetzt muss das geprüft werden, sagt mein Chef. Klar, ich bin ja auch schon ganze drei Monate in der Abteilung, da kann ich der Kollegin ja mal zeigen, was sie alles falsch gemacht hat…

Hinzu kam, dass eine andere Kollegin heute quietschvergnügt von einer Besprechung mit dem Chef kam: „Ich hab‘ ja grad meine Jahresabschluss-Unterlagen abgegeben. Der Chef hat mich gefragt, wo denn Deine Jahresabschluss-Ergebnisse bleiben.“ Hallo?! In den letzten beiden Wochen drehte sich bei uns alles um den bilanziellen Jahresabschluss und dessen Umsetzung. Und ich war derjenige, der die Ergebnisse in Rekordzeit und als allererster abgegeben hat! Meine Ergebnisse liegen seit über einer Woche auf seinem Schreibtisch, weil er es nicht schafft, sie zu prüfen und weiterzuleiten!

Eines wird mal wieder sehr deutlich: So ganz überzeugt bin ich von meiner neuen Abteilung offenbar auch nicht mehr, und nach und nach schleicht sich das Gefühl ein, dass ich in der Firma nicht glücklich werde. Ehrlich gesagt, nach dem Bewerbungsgespräch war mein erster Gedanke: „Oh Gott, den Job will ich lieber doch nicht!“ Ich muss mich dabei auf viele Konflikte einstellen, sagte man mir. Ich wäre der „Oberboss“ während eines Projektes und hätte die volle Verantwortung, wenn es schiefgeht.

Das ist eigentlich nichts für mich… Ich will doch einfach nur in Ruhe arbeiten! Mich zu bewerben war nicht richtig durchdacht. Ich habe meinen erlernten Job hingeschmissen, weil ich mit dem Druck nicht klarkam, und was mache ich jetzt?! Ich bin echt ein Idiot.

Warum habe ich mich beworben? Na ja, wenn ich es nicht getan hätte, wäre mein Vertrag auf jeden Fall ausgelaufen im Mai, und irgendeine Option muss ich mir ja offenhalten. Außerdem hat Lacarian „früher“ vor keiner Herausforderung zurückgeschreckt. Den leichten Weg zu gehen war selten meine Art. Aber inzwischen… Ich frage mich, warum sich das so geändert hat.

Ganz egal, wie die Entscheidung ausfällt, bei beiden Möglichkeiten habe ich sowohl gewonnen als auch verloren. Vielleicht habe ich heute einfach einen miesen Tag erwischt. Zum Glück gibt es morgen einen neuen…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*