Anstößiges

:: Anstoß

Gestern Abend war ich mit einem sehr lieben Freund unterwegs. Als ich gegen halb sieben von der Arbeit zu Haus war fand ich seine SMS, die er mir schon mittags geschickt hatte. Ich rief ihn also an, denn ich hatte Lust, mit ihm und seiner Freundin Billard in der Stadt mit den Hochhäusern zu spielen. Wir verabredeten uns für halb acht und ich fuhr los, um die beiden abzuholen.
Als ich ankam sah seine Freundin, die auch zu meinen allerbesten Freundinnen gehört, nicht gut aus. Sie hat sich vor ein paar Tagen den Fuß verstaucht, aber ich hatte das Gefühl, dass es nicht nur der Fuß war, bei dem der Schuh drückte. Und tatsächlich kam sie auch nicht mit. Irgendwie herrschte dicke Luft. Also klemmte ich mir ihren Freund unter den Arm und wir fuhren los. Schon auf der relativ kurzen Fahrt sprudelte es aus ihm heraus. Er erzählte mir, was ich vor ein paar Tagen schon von ihr erfahren hatte. Unzufriedenheit, aufgestaute negative Energie, Zukunftsängste, Depressionen und Zweifel an einfach allem. Ich hörte ihm intensiv zu und versuchte seine Ängste so neutral wie möglich zu kommentieren und ihm zu sagen, was ich darüber denke. Wir sprachen über unsere Erfahrungen und über Methoden, alle möglichen Dinge zu verarbeiten. Es tat mir gut ihm zuzuhören, das Vertrauen war toll und ich hoffe, dass es ihm gut tat, mit jemandem darüber zu reden.

Dann erreichten wir den Billardschuppen. Er war gut besucht, von den neun Tischen waren die meisten belegt. Wir entschieden uns für den Tisch hinten rechts in der Ecke. An Ecktischen ist man am ungestörtesten. Die erste Partie gewann er haushoch. Er hat einfach das bessere Auge für dieses Spiel und während er seine vorletzte Kugel im hinteren linken Eck versenkte stocherte ich noch unbeholfen in all meinen Kugeln auf dem grünen Tisch herum. Ich bemerkte, dass er Spaß am Spiel hatte, unabhängig davon, wer gerade den Sieg davontrug. Er lachte und sah einfach fröhlich aus, so wie früher. Wir scherzten, machten Faxen beim Spiel und waren gut drauf. Ach ja, ab der zweiten Runde hatte ich den Dreh auch wieder raus und die Partien liefen von da an sehr viel ausgeglichener. Wenn uns ein „genialer“ (Zufalls-) Treffer gelang, liefen wir mit stolzgeschwellter Brust um den Tisch und ließen uns von imaginären Fans feiern. Manchmal sind Männer eben einfach Kinder….. Zwei Stunden lang übten wir uns in Konzentration und Zielgenauigkeit und genossen eine ganze Menge erfolgreicher Spiele. So richtig zum Quatschen kamen wir dabei allerdings nicht, und als wir wieder in meinem Auto auf dem Parkplatz saßen fragte ich ihn, ob er es eilig hätte, nach Hause zu kommen. Er konnte darauf nur mit „nein“ antworten, sowohl wegen der Art meiner Fragestellung als auch wegen der dicken Luft zu Hause. Und so entschied ich für uns beide in die Cocktailbar zu fahren, in der ich in der letzten Woche schon mit seiner Freundin gesessen hatte. Er war von der Idee offenbar begeistert und so konnte ich auch ihm die Bar zeigen. Wir ergatterten einen großen Tisch auf der Galerie und trotz der relativ lauten Musik konnte man sich gut unterhalten. Während ich bei alkoholfreiem Cocktail blieb löste sich seine Zunge mit jedem Schluck etwas mehr und bald schon steckten wir in tiefgründigen Gesprächen über Religion, Frauen (ja, ich weiß…), Politik und die Schwächen des ganzen Systems. Leider glitt seine Stimmung dabei plötzlich sehr viel schneller ins Bodenlose ab, als ich es hätte auffangen können und mir wurde noch einmal bewusst, dass seine Depressionen über einen größeren Zeitraum gewachsen und tief verwurzelt sein müssen. Ich weiß nicht, ob ich ihm wirklich werde helfen können, aber solche „Männerabende“ sollte ich vielleicht öfter mit ihm unternehmen, damit er sich das alles von der Seele quatschen kann. Ich kenne ihn und seine Freundin schon aus der Schule und sie sind meine langjährigsten und damit besten Freunde. Und so lange sind die zwei auch schon ein Paar. Im Moment haben es beide nicht leicht, keiner weiß, wo sie in einem halben Jahr sein werden, sie stehen beruflich wie privat an einem ungewissen Scheidepunkt, quasi am Anfang. Das bringt für beide unglaublichen Druck und Stress mit sich und auch die besagten Zukunftsängste. Dadurch, dass sie zu zweit sind, müsste eigentlich immer jemand da sein, der den anderen stützt, aber weil beide gerade den gleichen Druck erleiden, fehlt ihnen die Kraft dazu. Jedenfalls ist das mein Eindruck. Ich würde es fatal finden, wenn ihre langjährige Partnerschaft unter diesem Druck zerbrechen würde. In einem halben oder in einem Jahr kann alles durchgestanden sein. Neue Wohnung, neue Jobs, neue Zukunft, neues Leben. Ich hoffe sie haben die Geduld…

:: falsch beraten

Eines meiner Kundengespräche ist heute ziemlich schief gelaufen. Eine Kundin interessierte sich für ein Produkt, das ich noch nicht oft verkauft habe – genaugenommen noch nie. Im Grunde wusste ich aber natürlich, wie es funktioniert. Dachte ich zumindest. Leider haperte es bei meiner Beratung schon an so grundsätzlichen Dingen wie dem Preis. Ich hangelte mich eher schlecht als recht durch das Gespräch mit der kritischen Kundin. Dann stellte sie noch eine spezielle Frage zu dem Produkt und ich antwortete ihr darauf. Es kam zum Verkauf und ich war froh, dass es trotz der Mängel gut ausgegangen war. Und dann… stellte ich im Nachhinein fest, dass ich auf ihre Frage genau die falsche Antwort geliefert hatte. Komplett falsch, so dass das, was sie abgeschlossen hatte, unter Umständen völlig nutzlos für sie sein kann. Da sie weiter weg wohnt konnte ich sie telefonisch noch nicht erreichen und schrieb auf der Stelle einen Brief mit einer Entschuldigung und der Klarstellung sowie dem Hinweis, dass sie zwei Wochen Zeit hat, von dem Vertrag zurückzutreten. Mir war das unglaublich unangenehm und selbst jetzt ist es mir peinlich. Sowas darf natürlich nicht passieren, der Kunde muss sich auf die Informationen verlassen können, die er von seinem Kundenberater erhält. Jetzt erwarte ich, dass mir die Kundin am Montag „den Kopf abreißt“…

:: Musicload

„Katie Melua – nine million bicycles“ – dieser Song hat es mir im Moment besonders angetan. Seit ein paar Tagen schon drehe ich meine Stereoanlage auf, wenn der Song im Radio gespielt wird. Der Song ist klasse und ich finde, da kann ich dann für gute Arbeit auch nen Euro löhnen.

Oh mein Gott, Lacarian wird noch zum Spießer…

 

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