Ansichten

:: revolution

wie jedes jahr am 01. mai fanden auch in diesem jahr wieder die allseits beachteten maikundgebungen statt – unter anderem in hamburg. trotz regelmäßig zu befürchtender krawalle wagte ich mich mit zwei freunden nach dem mittagessen in die hansestadt. wir flogen mit meinem kleinwagen über die autobahn – natürlich bis zum tierpark. mit ein klein wenig geduld ergatterte ich sogar einen parkplatz. 24 grad im schatten ermunterten uns, die jacken einfach im wagen zu lassen und so wenig ballast wie möglich mit uns herum zu schleppen.

erstes ziel mit der u-bahn waren die deichtorhallen, in denen das haus der photographie untergebracht ist. dort wird derzeit ein portfolio von martin munkacsi ausgestellt. wir erkundigten uns, wie lange die ausstellung an diesem sonntag geöffnet wäre und beschlossen, am besten sofort hineinzugehen.

Hamburg | Deichtorhallen

martin munkacsi, der von 1896 bis 1963 lebte, revolutionierte die photographie. seine berühmten sportaufnahmen zeigen ganz besonders, was er anders als photographen vor ihm machte: er zeigte bewegliche und bewegende szenen. die motive zeigen keine stilleben sondern situationen aus dem alltäglichen leben ohne kunstvolle posen. hunderte von photographien, dokumente diverser historischer abschnitte, akte, humorvolles, licht und schatten aus ungarn, aus berlin, new york, rio und hollywood ausgestellt unter idealen bedingungen im haus der photographie in hamburg. anderthalb stunden brauchten wir für alle exponate und waren am ende ziemlich – am ende. dummerweise durfte man drinnen nicht selbst photographieren, zu gern hätte ich eine szene aufgegriffen, denn die vielen verwinkelten und nüchternen wände in grau-tönen boten einen wirklich schönen rahmen für die ausstellung.

:: touristik

mit der bahn fuhren wir nach der ausstellung ein wenig durch die gegend, stiegen bei den landungsbrücken aus und stürzten uns in den trubel. tausende hatten sich vorgenommen, das wetter im freien zu genießen und so war die promenade ziemlich ausgelastet. zum musical-zelt „könig der löwen“ setzten im minuten-takt die shuttle-schiffe ihre besucher über, zeitgleich erreichten die gäste der vielen hafenrundfahrten und –flüge das ufer und verließen die schiffe und flugzeuge um platz für die nächsten passagiere zu machen. es herrschte ein ständiges kommen und gehen fröhlicher menschen, die sich ihre stimmung auch von den aufziehenden wolken nicht vermiesen ließen.

Wasserflugzeug

der weg zurück durch die vielen menschen führte uns vorbei an einer jungen frau, die in ihrem gestreiften pulli einfach so dastand, ihre tasche zu füßen einsam ein lied sang. wartete sie darauf, entdeckt zu werden? probte sie einfach ihren gesang vor fremden menschen? wir wissen es nicht. auf jeden fall hatte sie eine schöne stimme, die noch zu uns herüberwehte, als wir längst auf der anderen straßenseite cappucino, latte oder pils genossen.

Musical

schon bald zog es uns weiter durch den untergrund mit ziel an der alster. acht stationen ließen wir hinter uns, ehe wir am „jungfernstieg“ wieder ausstiegen. die station gefällt mir von allen am besten, weil sie schönes blaues licht enthält. von hier aus stiegen wir die stufen zurück ans tageslicht, überquerten die große baustelle, aus der der neue jungfernstieg hervorsteigen wird. vorbei am alsterpavillon bis hinunter zum wasser. auch hier waren wir bei weitem nicht allein. viele menschen ließen den maifeiertag gemütlich am wasser ausklingen.

Hamburg | Jungfernstieg | U-Bahn
Hamburg | Jungfernstieg | Alsterpavillon

gegen halb neun kehrten wir mit müden füßen der schönen stadt den rücken und fuhren zurück nach hause. kurz vor dem ziel gabelten wir noch ne currywurst mit pommes auf und verbrachten in meinem trauten heim noch ein paar gesellig-gesprächig-feucht-fröhliche stunden bis um zwei uhr nachts, als wir wegen des bevorstehenden arbeitstages beschlossen, es gut sein zu lassen.

während ich mir sicher war, wegen der vielen eindrücke des tages kein auge zutun zu können, zog ich die bettdecke gerade bis zu den ohren, als es plötzlich losging: es blitzte, prasselte und donnerte aus allen rohren. im zwei-sekunden-takt zuckten wütende blitze aus dem schwarzen nachthimmel, es war kaum möglich, das donnergrollen einzelnen lichtblitzen zuzuordnen, weil alles durcheinander geriet. kurzentschlossen schob ich meine bettdecke wieder beiseite und schnappte mir meine kamera, die über den tag verteilt schon über 50 photos geschossen hatte. ich positionierte sie auf dem stativ vor mein schlafzimmerfenster und ließ sie einfach fünf minuten lang laufen. das kam dabei heraus:

Gewitter
Gewitter
Gewitter

der wein tat dann jedoch schnell seine wirkung und ließ mich völlig unbemerkt und ungestört in den schlaf hinabgleiten, bis um halb sieben heute früh, als mich der wecker aus den federn scheuchte. als ich das haus verließ lief ich durch warme morgenluft, die von frühlingsdüften derart erfüllt war, als würde jedes einzelne kraftgrüne blatt und jede einzelnde blüte einen wahnsinnsduft versprühen. ich atmete die schwere luft tief ein und genoss den frühling auf dem weg zur arbeit.

 

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