Ankunft

An diesem Wochenende war es soweit: Bei uns in der Marzipanstadt fiel Schnee aus dicken, grauen Wolken und verwandelte die Dächer der umliegenden Häuser in fluffig-weiße Wattedecken. Nicht nur mein Freund und ich freuten uns über die weiße Überraschung zum ersten Adventswochenende, auch die Kater versuchten begeistert, die Schneeflocken zu fangen, die an unseren Fenstern vorbeirieselten.

Nachdem ich meinen Engel vormittags über die verschneiten Straßen zur Arbeit gefahren hatte, machte ich noch ein wenig klar Schiff in unserer Behausung. Etwas gründlicher als an anderen Samstagen bereitete ich die Ankunft sehr lieber Freunde vor, die wir schon wieder eine Ewigkeit nicht gesehen haben. Nachdem die Einkaufsliste um ein paar Kleinigkeiten ergänzt war, schwang ich meinen Hintern in den blauen Wagen und fuhr zum Supermarkt. Für mein Hühnercurry aus dem Wok brauchte ich ein paar Zutaten, die sonst nicht in unserer Küche zu finden sind. Ich brauchte eine ganze Stunde, um Ingwer, Kreuzkümmel und Co. zu finden. Getränke, Knabberkram und alles, was wir für ein gutes Frühstück brauchen, wanderte in den Einkaufswagen. Anscheinend war der Inhalt für das Laufband an der Kasse ein bisschen zu schwer, denn als ich alles ausgepackt hatte, versagte die Transporteigenschaft des schwarzen Gummis. Der junge Kassierer versuchte, sich die Verzweiflung nicht anmerken zu lassen, als er im Büro anrief, um einen Kollegen um technische Unterstützung zu ersuchen. Irgendwann lief es dann wieder wie geschmiert, bis er zu dem frischen Bund Petersilie ankam… Er blätterte hektisch in seinem aufklappbaren Preisverzeichnis und rang sich dann dazu durch, mich zu fragen, wie man das Gemüse nennt… Bald war aber alles geschafft. Nur noch die Zitrone und die Pflaumenmarmelade. Für die Zitrone nahm er wieder das Preisverzeichnis zu Hilfe. Als er das dritte Mal wieder von vorn zu blättern begann, bot ich ihm an, die Zitrone einfach an der Info zu bezahlen.

Es war kurz nach vier Uhr, als alle drei Freunde zeitgleich einliefen. Die Kater flüchteten in das Schlafzimmer, während ich Ben, der noch nie hier war, durch unsere kleine Wohnung führte. Mehr Zeit als für eine heiße Schokolade blieb nicht, denn um 17 Uhr musste ich meinen Engel von der Arbeit abholen. Also lud ich unsere Gäste in den Dunkelblauen und nahm sie einfach mit auf die andere Seite unserer Stadt. Es hatte inzwischen aufgehört zu schneien, war aber kalt und ungemütlich nass draußen.

Abgesehen vom gelungenen Essen gestaltete sich der Abend eher durchwachsen. Von der Woche gebeutelt hingen wir irgendwie in den Seilen. Die Playstation sorgte für Kurzweil – zumindest am Anfang. Aber irgendwie haben wir uns alle so lange nicht gesehen, dass wir zu wenig gemeinsamen Gesprächsstoff haben. Das passiert leider immer wieder und macht mich ziemlich traurig, weil ich mich immer so auf das Wiedersehen freue. Gegen halb zwei wurden die Betten gebaut, und während ich noch eine gute Stunde in meinem aktuellen Roman stöberte („Ein Traum vom Leben“) wurde es still um mich herum. Meine beste Freundin und ihr Freund hatten das große Luftbett im Wohnzimmer bekommen, während Ben auf der Liege im Arbeitszimmer ruhte. Die Kater konnten sich nicht recht erklären, wieso heute Nacht alles anders war und schlurften irgendwann desillusioniert in ihre kleinen Bettchen.

Nach dem Frühstück am späten Vormittag dauerte es nicht mehr allzu lange, bis sich unsere Gäste auf die Heimwege machten und mein Engel und ich wieder unter uns waren. Merkwürdig war die Stimmung gewesen und ich hatte das Gefühl, alle wären froh, dass es vorbei war. Irgendwie traurig. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal besser…

 

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