Angst

Noch immer wache ich morgens auf und schaue instinktiv auf mein Handy, voll Hoffnung, dass der Spuk ein Ende hat. Ich schaue aus dem Wohnzimmerfenster und sein kleines, schwarzes Auto fährt auf den großen Parkplatz. Meine Phantasie spielt mir Streiche, der schwarze Kleinwagen dort unten gehört jemand anderem. Ich bin sehr traurig, aber ich halte mich wacker. Ich habe die Party gestern Abend ganz bewusst nicht abgesagt und meine Freunde waren da. Aber der Platz neben mir war schrecklich leer. Wir haben Pizza gebacken und ich hatte für alle ein leckeres Dessert zubereitet. Wir haben verschiedene Spiele gespielt, viel gelacht und geplaudert…

Ich vermisse ihn sehr.
Ich vermisse seine Familie…
Sein Lächeln.
Seine Wärme.
Seine Stimme.
Seine Umarmungen.
Seine Geschichten.
Sein Leben.
Ich vermisse das Herz, in dem ich mich so zu Hause fühle.

Ich habe Angst. Nicht um mich, sondern um ihn. Wer sich selbst verleugnet um ein Image aufrecht zu erhalten, damit andere ihn akzeptieren, führt das oberflächlichste und damit gefährlichste Leben, das man wählen kann. Um das Innerste und Ehrlichste zu verbergen, kann nichts und niemand weiter vordringen als bis zur Oberfläche. Und wenn er irgendwann selbst glaubt, die Oberfläche sei sein Kern, dann ist er nicht mehr als eine hohle Hülle ohne Inhalt. Und das ist es, was mir die allergrößte Angst macht.

 

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