Anfang und Ende

Ein Müllwagen schickt von der Straße laute Geräusche reinigender Betriebsamkeit herauf. Es ist Mittag, die Mai-Sonne steht im Zenit und lässt die Vögel verstummen. Wenn ich an eines der hohen Fenster trete wünschte ich, der Garten, der zu unserer neuen gemeinsamen Wohnung gehört, wäre schon ansatzweise fertig. Aber noch liegt dort unten eine tote Baustelle und wartet auf fleißige Hände. An der Hauswand lehnt eine große Zimmerpflanze, die erst zurechtgestutzt werden muss, ehe sie Zutritt in unsere Gemächer erhält. Um sie herum wächst Unkraut, ein Sandhaufen und ein abbruchreifer Unterstand mit Asbestdach. Ein tiefes Loch verletzt den leblosen Boden. Große, schwere Betonringe sind dort eingelassen, wo später das Regenwasser ablaufen soll.

Tapetenwechsel

Die ersten beiden Wochen dieses Monats haben wir noch in der alten Wohnung verbracht, die es in einem ganzen Jahr nicht geschafft hat, sich wie ein richtiges Zuhause anzufühlen. Das, was sie nicht fertig brachte, gelang der neuen Wohnung binnen weniger Tage. Es sind Restarbeiten, die wir in der ehemaligen Behausung im Keller eines Mehrfamilienhauses zu erledigen haben, bevor wir sie endgültig los sind. Aber nichts zieht mich wirklich dorthin. Kleinkrempel, Regale und allerhand Zeugs, das irgendwie für eine wohnliche Atmosphäre sorgen sollte, sind im neuen Heim überflüssig. Wir haben hier schon alles, was wir brauchen. Fast alles.

In dieser Woche habe ich vom Tod des Claudius erfahren. Auch, wenn ich seine Texte nicht aufmerksam verfolgt habe, macht es mich traurig zu wissen, dass er nicht mehr weiterschreiben kann. Keine Photos mehr, keine Aquarelle, keine Weisheiten, keine Lebensfreude. Bleibt die Gewissheit, dass er so viele Menschen berührt hat. Er hat sie inspiriert, getröstet und aufgebaut.

 

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