Am laufenden Band

Am Halloween-Abend sieht man ja so manche Gestalten durch die Gegend schleichen. In der Nachbarschaft wohnen plötzlich Hexen, Zombies und Gespenster. Sie machen merkwürdige Geräusche, kreischen und bewegen sich merkwürdig. Einer von ihnen in einem furchtbar schlechten Kostüm humpelte die dunkle Straße entlang, presste seine bandagierte Hand dicht an den Körper und zog die linke Schulter seltsam nach. Er trug irgend etwas in einer dunkelblauen Tasche, die er sich um den Körper gehängt hatte. An dem schwarzen nackten Baum an der Ecke bog er ab, schritt durch das alte Metalltor und hielt genau auf unser Haus zu. Er zog einen metallischen Gegenstand hervor und öffnete damit die hölzerne Eingangstür zu unserem über hundertjährigen Wohnhaus.

Es wäre cool gewesen, wenn jetzt noch ein Blitz über den schwarzen Himmel gezuckt hätte, als ich den Schlüssel im Schloss umdrehte, das Licht im Hausflur einschaltete und die Treppen hinauf in den zweiten Stock humpelte. Das Humpeln lag an dem Bänderriss, den ich mir am vergangenen Dienstag beim Sport zugezogen hatte. Zum Glück konnte ich mich am Geländer unterstützend ein wenig hochziehen – mit der rechten Hand natürlich, denn in der Linken sorgt eine Arthritis seit Wochen für Schmerzen, die ich allmählich gern mal wieder loswürde. Zu allem Überfluss hat sich dadurch meine Schulter fies verkrampft und lässt mich seit Tagen bei jeder Bewegung zusammenzucken. Na klar sind da Sprüche meiner Arbeitskollegen über mein „voranschreitendes Alter“ an der Tagesordnung.

Um es im Alter bequem zu haben, kauften Engelchen und ich am gestrigen verkaufsoffenen Sonntag eine neue Couch. Die ist riesig und wird in zwei Wochen geliefert. Dann kann das schwedische Exemplar, das nun auch schon fast acht Jahre alt ist, endlich weg.

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