Allein, aber nicht einsam?

Es gab mal eine Zeit, in der ich mich fast täglich über fehlende Inhalte in meinem Leben beklagte. Ich saß allein zu Hause in meinem schwarzen Ledersessel, blickte den Kopf auf die linke Hand gestützt durch die Fensterscheibe hinaus auf den vorbeiziehenden Verkehr. Das Leben zog an mir vorbei, Tag für Tag.

Dann kam mein Coming Out. Erst ganz zaghaft, dann ohne Kompromisse. Nach nur einer Woche wusste jeder Mensch, der mir etwas bedeutete, was ich viele Jahre lang verschwiegen hatte.

Diese Menschen sind nach wie vor meine Freunde und sogar mehr als vorher. Nur einen Monat, nachdem die Welt wusste, dass ich schwul bin, lernte ich einen Mann kennen, der sich von anderen in der Hinsicht unterschied, dass er nicht abgehoben und oberflächlich erschien. Wir unterschieden uns darüberhinaus noch darin, dass ich die Kontrolle behalten konnte – dachte ich.

Es gab einige Stolpersteine, doch wir überwanden sie und kamen zusammen. Er zog in meine Wohnung, dann zogen wir in eine gemeinsame Wohnung. Alles war perfekt, alles wurde – jeden Tag das Selbe. Ich war mir der Stabilität dieser Beziehung so sicher, dass es mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf, als die Liaison im vergangenen Spätsommer abrupt aus meinen Händen glitt. Drei Monate lang fühlte ich mich, als würde mich ein tödlicher Blitz treffen, der partout nicht enden wollte. Ich fühlte mich das erste Mal in meinem Leben einsam.

Jetzt bin ich hier, gewöhne mich schnell ans Alleinsein und die Einsamkeit gerät immer öfter in Vergessenheit – jeden Tag mindestens einmal.

 

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