Der versäumte Geburtstag

Unsere Katze ist krank. Das klingt zwar irgendwie nicht nach nach einer adäquaten Entschuldigung. Aber als Becky ihren vierzigsten Geburtstag beging, fehlten wir. Unsere beiden Kater sind für uns nicht „nur“ Haustiere. Es sind unsere Babies (auch, wenn sie inzwischen neun Jahre als sind). Einem unserer Babies ging es am Vortag zu Beckys Party gar nicht gut. Im Zehn-Minuten-Takt kotzte er uns die Wohnung voll. Der kleine Körper wurde immer wieder von heftigen Beben erschüttert. So ging das die Nacht über, bis sich die Situation aus Erschöpfung zunächst erledigte. Am nächsten Morgen war erstmal alles wieder gut. Am späten Freitagnachmittag kam ich von der Arbeit. Dem kranken Kater standen dicke Tränen in den Augen, er hatte sich erneut übergeben. Als Engelchen heim kam, packten wir das Tier in einen Transportkorb und fuhren mit ihm zum Tierarzt. Die Ärztin war zwar nicht sehr nett, aber sie eröffnete uns zwei Möglichkeiten: Eine Spritze gegen die Übelkeit und – wenn das morgen nicht besser ist – Narkose zwecks weiterer Untersuchung.Letzten Endes stellte sich heraus, dass er sich an einer unserer Pfanzen den Magen verdorben hatte. Aber ohne Narkose kann man ihn eben nicht gründlich untersuchen. Becky musste ihren Geburtstag ohne uns feiern, denn einen Kater, der aus der Narkose erwacht, lässt man nicht allein.

Inzwischen geht es ihm wieder gut. Er ist wieder so frech, wie ein neunjähriger Kater nur sein kann und die böse Pflanze (die schon seit Jahren bei uns stand), ist entsorgt.

Es werde Licht

Nachdem wir uns im vergangenen Jahr ziemlich gut eingerichtet hatten, blieben immer noch zwei Baustellen in unserer Wohnung unerledigt: Das Licht im Wintergarten und im Treppenaufgang.Für den Wintergarten hatte ich mir ein spezielles Lichtkonzept überlegt: Unter die Fensterstürze sollten flache Bretter angebracht werden, auf denen Lichtleisten indirektes Licht über die Decke abgeben sollten. Über dem großen Esstisch wiederum sollten ungefähr sechs Lampen im antiken Edison-Stil von einem groben Ast hängen und für dekoratives Licht sorgen. Beides haben wir lange vor uns hergeschoben, nun aber endlich umgesetzt. Handwerklich nicht ganz mustergültig, aber letztlich bin ich zufrieden.

Eine Leuchte im Treppenaufgang anzubringen erwies sich bislang als schwierig, denn an die Raumdecke über der Treppe kamen wir nicht heran, sie war einfach zu hoch – selbst mit unserer Trittleiter.

Am vergangenen Freitag besuchten wir Andy und Chrissie zu unserem jährlichen Traditions-Zwiebelkuchen-Essen (das – wie es unsere Tradition verlangt – in Kürze mit Kürbissuppe vergolten wird). Wir sprachen mit den beiden über unsere Pläne und die Schwierigkeiten bei der Umsetzung und fuhren kurzerhand mit einer sehr langen Leiter nach Hause. Am nächsten Tag konnten wir den beiden ein Foto von der Leuchte über der Treppe schicken.

An beide Baustellen können wir somit Haken machen.

Buch: Carry on

Simon Snow ist der Auserwählte – laut Klappentext der schlechteste Auserwählte, der jemals auserwählt wurde. Er ist achtzehn Jahre alt und Schüler in Watford, einer Schule für Magier. Mit elf Jahren, als Simon als Waise an die Watford-Schule kam, wurde er mithilfe eines Zaubers einem Mitbewohner zugeteilt – untrennbar bis zum Ende ihrer Schulzeit, so will es die Schulregel. Blöd, dass Basil ‚Baz‘ Pitch, der verwöhnte Sohn reicher Eltern, ein fieser Mitbewohner ist, der Simon schon mehrfach umbringen wollte. Die beiden hassen sich also bis aufs Blut.

Simon, der Auserwählte, soll die magische Welt vor der Auslöschung bewahren. Ein paar Jahre zuvor sind Löcher in der magischen Atmosphäre aufgetaucht, und sie werden größer. Simon hat von allen Magiern das größte magische Potential, aber keine Ahnung, wie er das richtig anwenden soll. Er ist ein grottenschlechter Zauberer.

Wer hier Parallelen zum Potterversum sieht, der liegt richtig. Das ist allerdings kein Zufall, wenn auch ein klein wenig kompliziert: Um die Simon-Snow-Reihe in sieben Bänden geht es nämlich im Bestseller „Fangirl“, natürlich ebenfalls von Rainbow Rowell. Die dortige Protagonistin schreibt dazu eine erfolgreiche Fanfiction-Fortsetzung namens „Carry on, Simon“. Es handelt sich hier also nicht um ein dreistes Plagiat, sondern um eine parodierte Fan-Fortsetzung, die aus meiner Sicht richtig gut gelungen ist.

„Carry on“ ist bisher (August 2016) leider nicht ins Deutsche übersetzt. Ganz einfach zu lesen war das Buch für mich nicht, weil die Autorin nicht selten umgangssprachlich schreibt, da kommt man zum Teil auch mit Wörterbuch und Übersetzungs-App nicht weiter. Das macht aber nichts, die Geschichte an sich versteht man auch, wenn zwischendrin mal ein Satz fehlt. Wie man an der Punkteverteilung ablesen kann, hat es „Carry on“ aus dem Stand in die Liga meiner absoluten Lieblingsbücher geschafft. Die Geschichte ist spannend, unterhaltsam, emotional, überraschend und enthält sorgfältig gezeichnete Figuren, die einem ans Herz wachsen und die einen auch nach dem Ende des Buches nicht so richtig loslassen.

Anruf aus der Notaufnahme

Es war neun Uhr sechs, als mein Handy klingelte. Ich war bereits im Büro und auf meinem Display erschien der Name meiner Mutter. Um diese Uhrzeit war das ganz sicher kein Höflichkeitsanruf.Eine gute Stunde später saßen Engelchen und ich im Auto. Mein Stiefvater hatte an jenem Morgen einen schlimmen Schlaganfall erlitten und lag im Sterben. Als wir die Klinik in der Stadt mit den Hochhäusern erreichten, warteten meine Mutter und meine Geschwister bereits auf uns. So richtig genaue Informationen hatten sie noch nicht, nur dass er im Koma lag, künstliche beatmet wurde und eine Ärztin gesagt hatte, er würde nicht mehr aufwachen. Wenig später war die gesamte Familie anwesend. Die Ärzte wollten mit meiner Mutter schon über Organspende sprechen. Nur eine Stunde später sprach man dann von Reha-Maßnahmen – wir waren verwirrt. Plötzlich schwebte er nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr, aber wenn er jemals wieder aufwachen sollte, würde er ein Schwerstpflegefall werden.

Am Tag darauf schlug er die Augen auf. Unfähig, sich mitzuteilen – vielleicht nicht einmal in der Lage, seine Umgebung wahrzunehmen, geschweige denn, jemanden zu erkennen.

Er erholte sich mit jedem weiteren Tag. Als er weitestgehend stabilisiert war, verlegte man ihn in eine Hamburger Reha-Klinik. Aber weil die Zustände dort katastrophal waren, ließ meine Mutter ihn in eine andere Klinik umlegen, was ein bürokratischer Kraftakt war, bei dem sich die örtliche Krankenkasse besonders negativ hervorgetan hat. Inzwischen kann er wieder sprechen, seine Bewegungsfähigkeit wird trainiert und atmen kann er auch von allein. Fast täglich fährt meine Mutter die fast hundert Kilometer zu ihm in die Reha-Klinik, um ihn beim Wiederaufbau zu unterstützen. Und nach wie vor macht er große Fortschritte.

Die Hochzeit meines besten Freundes

Jamie legt ein ganz schönes Tempo vor. Coming Out vor anderthalb Jahren, seinen Freund kennengelernt vor einem Jahr. Und jetzt ist er verheiratet. Manchmal passt es einfach.
Es war die erste Hochzeit eines schwulen Paares, auf die ich eingeladen war, und ich wollte sie um nichts auf der Welt versäumen. Ich kaufte mir einen blauen Anzug für den Anlass, weiße, sportliche Schuhe und eine feierliche Krawatte.Engelchen und ich fuhren zunächst zum Standesamt. „Schlossgefängnis“ hieß das, und in meiner Vorstellung würde die Trauung in einem feuchten Verlies mit schweren Ketten an den Wänden stattfinden. Das wäre zwar sehr bildhaft gewesen, aber man weiß ja nie. Tatsächlich war das Gefängnis natürlich längst außer Betrieb und inzwischen von einem Café bewohnt. Das Trauzimmer im Dachgeschoss beherbergte keine eisernen Ketten, sondern war liebevoll hergerichtet. Das einzige Fester an der Stirnseite stand offen und führte in den wunderschönen Hof. So wehte immerhin ein kleiner Lufthauch durch den Raum, der wegen der heißen Temperaturen einen schweißtreibenden Aufenthalt versprach. Stellt Euch jetzt die Titelmelodie von Alf vor, also ungefähr ‚dadadaaaa dadaadadadaaa daddaddadaaaa‘ – und so weiter. Jamie und sein Noch-Verlobter Dominic schritten zwischen den Gästen hindurch auf die Standesbeamtin zu. Es folgten die für diesen Anlass üblichen persönlichen Worte, die unweigerlich auf eine Frage hinauslaufen. Wollt Ihr?

Sie wollten. Alle beide. Da gab’s nichts zu rütteln, nichts zu deuten, kein „Vielleicht“ oder „mal sehen“. Einfach zwei ganz klare „Ja!“. Glückliches Paar, glückliche Standesbeamtin, glückliche Gäste.

Als wir uns im Hof wiederfanden, umringt von prächtigen Bäumen und einem großen Teich, labten wir uns an kalten Getränken und köstlichen Kleinigkeiten. Diese Stärkung brauchten wir, um bei der anschließenden Fotosession besonders gut auszusehen.

Zusammen mit Jan und Becky bezogen wir ein Sporthotel, auf halbem Weg zwischen Trauung und der sich anschließenden Feier. Nur kurz ausruhen, noch etwas zu trinken für die Nacht einkaufen und im Hotel-Restaurant eine Kleinigkeit essen.

Um die Eheschließung mit Familie und Freunden gebührend zu feiern, hatten sich Jamie und Dominic für einen Landgasthof entschieden. Der ziemlich hübsch herausgeputzt und die Gäste wurden auf Tische verteilt. Wir hatten einen Beste-Freunde-Tisch, den wir uns mit Jan und Becky und einem weiteren Paar nebst Nachwuchs teilten. Nachdem die beiden alle Tische vorgestellt hatten, wurde das Buffet eröffnet. Übrigens das beste Buffet, in das ich je meine Beißerchen schlagen durfte!

In den Stunden darauf wurde gelacht, getanzt, Torte verspeist und getrunken, bis wir uns zu viert ein Taxi teilen und ins Hotel fahren mussten.

Ich mag ja keine Hochzeitsfeiern, aber diese werde ich immer in guter Erinnerung behalten!